Review

Ein seltsamer Kauz betreibt in den Sümpfen ein Motel, neben dem ein hungriges Krokodil sich über jeden Gast freut, der sich hierher verirrt. Als eine junge Frau dem Kroko zum Opfer fällt, ruft dies ihre besorgte Verwandtschaft auf den Plan, die dem Motelbetreiber auf den Zahn fühlt.

Ein paar Jährchen nach seinem Debüt "Blutgericht in Texas" widmete sich Tobe Hooper erneut der Hinterwäldler-Thematik, mischte Elemente von "Psycho" bei und baute zudem ein leichenbeseitigendes Krokodil hinzu. Die Geschichte ist sehr übersichtlich ausgefallen, bietet aber im Gegensatz zu dem texanischen Kettensägenmassaker neben seiner Horrorstory auch witzige Zwischentöne, was für eine ordentliche Mischung von Schock und Humor sorgt. Einige Längen weist der Streifen auf und die eingeschobenen Besuche der nach der Vermissten Suchenden auf der Wache und im Bordell wirken teilweise etwas Fehl am Platze, aber die meiste Laufzeit des Films bewegen wir uns im und rund um das Starlight Motel.
Dass die Höhe des Budgets nicht sehr groß gewesen sein dürfte, sieht man zu jeder Zeit, aber das, was mit den zur Verfügung stehenden Mitteln in Szene gesetzt wurde, ist beachtlich stimmig. So zeichnet den Film eine durchgängig bedrohlich düstere Athmosphäre aus, was an dem gut gewählten Schauplatz des Motels mitten im bewaldeten Sumpf inklusive Nebel, der gelungenen Beleuchtung mit Rot- und Blautönen und den eindringlichen Sounds, die stark an die nervenzerfetzenden Tonzusammenstellungen von "Blutgericht in Texas" erinnern, liegt.
Ebenfalls an den vorherigen Film von Tobe Hooper erinnern die psychopatischen Charaktere, die sich hier ein Stelldichein geben, nur dass diese nicht nur in den Reihen der Bösewichter ala Leatherfaces Familie, sondern auch unter den vermeintlichen Guten zu finden sind. So gibt es neben dem wirklich extrem schrägen Motelkauz, der mit Vorliebe sehr wirre Sätze verlauten lässt und gerne mal mit sich selbst plaudert, einen gewissen Buck, der, wie er im allerersten Satz des Films verlauten lässt, gut für einen Fuck ist, was Quentin Tarantino für einen ählichen Charakter in seinem "Kill Bill Vol. 1" inspiriert hat, und sich von den Frauen das holt, was er will und nebenbei kriminellen Machenschaften nachgeht, einen Hotelgast, dem das Geschehen beim Motel auf die Nerven schlägt, was zu einem Verlust dieser führt und den besorgten Vater, der schnell aus der Haut fährt und dabei selbst vor Gesetzeshütern kein Blatt vor den Mund nimmt. Die Darstellerleistungen hierbei schwanken von stark übertrieben bis solide und man bekommt bekannte Genregrößen, wie einen jungen Robert Englund als bereits erwähnten Buck und Mel Ferrer ala Suchpapa, zu Gesicht.
Die blutigen Einlagen sind sinnvoll über die gesamte Laufzeit verteilt und es wird eine passende Härte an den Tag gelegt, wobei die Effekte jedoch jederzeit als solche zu erkennen sind und heutzutage eher belustigen als schockieren. So schwingt der holzbeinige Norman Bates Verschnitt ab und zu seine Sense und ansonsten lässt das Plastikkrokodil seine Zähnchen in Hunde- und Menschenfleisch dringen.

Insgesamt fährt dieser Film von Tobe Hooper zwar etwas im Fahrwasser seines eigenen texanischen Blutgerichtes, stellt aber auf Grund seiner eigenartigen und dichten Grundstimmung, der trashigen Story und der überzogenen Charaktere eine kleine Genreperle dar, die Horrorfans von 70er Jahre Filmen durchaus mal gesehen haben sollten.

Details
Ähnliche Filme