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Kurz nach seinem wegweisenden Terrorfilm „The Texas chainsaw massacre" lieferte Horror-Regisseur Tobe Hooper mit „Eaten Alive" (im Deutschen auch als „Blutrausch" bekannt) einen weiteren krassen Schocker, der zwar nicht das enorme Kultpotenzial seines Debüts erreichte, aber unter Genre-Fans ebenfalls zum kleinen Klassiker avancierte. Die Story bleibt dabei mehr als überschaubar: In einem gottverlassenen Motel mitten um Sumpf hockt der alte und verrückte Judd und wartet auf unbedarfte Gäste, die er mittels diverser Mordwerkzeuge umbringen und an sein riesiges Krokodil verfüttern kann.

Dafür, dass dieses Motel so vollkommen im Nichts der Wildnis liegt, herrscht an ankommenden Gästen allerdings kein Mangel - und so gibt es hier einige sehr harte Slasher-Szenen zu erleben. Mit Effekten, die zwar heute etwas antiquiert wirken, aber nichtsdestotrotz mit viel Blut, verzerrten Gesichtern, Schreien und einem wahrlich beeindruckenden Krokodil-Modell für garstige Bilder sorgen können, gelingt es „Eaten Alive", eine für seine Zeit enorm harte Atmosphäre zu erzeugen. Neben den krassen Schocks tragen dazu auch die surreale Beleuchtung bei, die viele Szenen in Knallrot oder Grün taucht und damit ein wenig an Filme von Dario Argento erinnert, und das - nach dem „Texas chainsaw massacre" - erneut sehr überzeugende Setting, das mit der heruntergekommenen Motel-Kulisse, dreckiger Ausstattung, Schmutz und Tierkadavern schon für einen abstoßenden Eindruck sorgen kann, bevor es überhaupt richtig losgeht.

Zur sehr intensiven und beklemmenden Atmosphäre des Films tragen dann auch zwei weitere Dinge bei: Zum einen erzeugt die Tonspur einmal mehr bei Hooper ein mit fortlaufendem Film zunehmendes Tohuwabohu an beängstigenden Geräuschen: Schreie, das Grunzen des Krokodils, düstere Spannungsmusik, zum Finale aber auch ein urplötzlich eingespieltes Kinderlied und nicht zuletzt atonale, schrille Töne, die nicht richtig zugeordnet werden können, aber einen enorm beunruhigenden Effekt erzielen. Und die Darsteller geben für einen dermaßen billig produzierten Horrorstreifen wirklich ihr Bestes: Nicht nur Neville Brand als verrückter Judd überzeugt mit einer wahrlich unheimlichen Intensität, auch der restliche Cast gibt seine großteils psychisch gestörten Figuren intensiv und packend. Ob das der junge Robert Englund als brutaler Aufreißer ist, ein offensichtlich psychisch gestörter Familienvater, der mit einer Art geistigem Zusammenbruch für die vielleicht bizarrste Szene des ganzen Films sorgt, oder allerhand weitere auftauchende Nebenfiguren, die meist ein grausiges Ende ereilt - durch das etwas schrille, aber bestens zur bedrohlich-grotesken Atmosphäre des Films passende Spiel der Darsteller intensiviert sich die Unbehaglichkeit enorm, die von dem Gezeigten ausströmt.

Dass „Eaten Alive" dramaturgisch nicht viel zu bieten hat, sondern recht plump ein neu hinzukommendes potenzielles Opfer nach dem anderen einführt; dass er mitunter auch durch die dadurch entstehende Menge an Figuren etwas überfordert wirkt, was sich an teils ungeschickten Schnitten zwischen einzelnen Handlungsorten zeigt (die mitunter sogar ein etwas seltsames Verständnis vom Vergehen der Zeit offenbaren - mindestens einmal wechseln Parallelmontagen zwischen neuem Tag und tiefer Nacht); dass Dialoge und Handlungen der Figuren oft eher klischeehaft und unglaubwürdig sind; und dass nicht zuletzt so einige logische Fragen offen bleiben: geschenkt!

„Eaten Alive" ist ein krasses Beispiel für die harten Splatter- und Terrorfilme, die nicht nur Tobe Hooper in den 70ern zu schaffen vermochte. Mit drastisch bebilderten Gewaltszenarien und einfachen, aber effektiven Spannungsmomenten (dass etwa die verzweifelte Mutter eines kleinen Mädchens mit Handschellen gefesselt wird und die folgenden Kämpfe mit gefesselten Händen bestreiten muss) sorgt der Film für nicht gerade subtile, aber nervenzerrende Hochspannung, die mit schockierender Gewalt und einer enorm intensiven, finsteren Atmosphäre in ihren Bann zu schlagen weiß. Ein echter kleiner Klassiker für alle Freunde des 70er-Slashers.

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