Review

Niemand lag jemals mehr daneben

Fand sich Vanilla Ice damals wirklich cool? Oder war er selbst überrascht von seinem sternschnuppenartigen Erfolg und Hype? Denn dumm oder naiv war das Kerlchen meiner Meinung nach nie... Mit „Ice Ice Baby“ und dem darauffolgenden Album landete er weltweite Überhits, deren Zahlen und Erfolge noch immer in den Rekordbüchern der Musikwelt stehen. Doch dieser Vanilla-Boom war von kürzester Dauer und er wurde schnell zum Witz und zu einer lächerlichen Anekdote der Rapwelt. „Cool As Ice“ entstand zum Höhepunkt dieser fragwürdigen Welle, erschien jedoch danach. Filme dauern halt was. Und so kam es, dass dieser „The Wild One“-Verschnitt mit schlechter Mode und surrealem Feeling zu einem waschechten Flop wurde, der auf den Untergang des Vanilla Ice einen weiteren Sargnagel packte und erst heutzutage wieder zu (fragwürdigem) Ruhm kommt. Als einer der besten schlechten Filme aller Zeiten. Trash in Neonfarben und mit miesen Flows, blöden Frisuren, schwachen Raps und durchgehend unsympathischen Figuren. Viel schlechter als „Cool As Ice“ geht schwer. Niemals ernst zu nehmen, immer mit Augenzwinkern und Vorsicht zu genießen. Nur macht eben dies in der richtigen Stimmung durchaus Laune. Und ganz sicher, ob die Beteiligten nicht wussten, wie plämpläm all das ist, bin ich mir nicht...

Wir folgen Vanilla Ice und seiner Gang. Musiker, Checker, Biker, Clowns. Oder so ähnlich. Auf dem Weg durch das amerikanische Hinterland trifft er eine schöne Brünette, mit der es funkt. Und als zwielichtige Gangster ihren Bruder als Geisel nehmen, schlägt die Stunde den (milde ausgedrückt) skeptischen Vater der Auserwählten von sich zu überzeugen... Fans von Ice, denen man eine Empfehlung aussprechen könnte, gibt es nicht mehr. Das fällt also weg. Dann bleiben nur noch masochistische Trashfans, die in einem sehr bunten aber gleichzeitig schwarzen Kapitel der HipHop-Historie schnüffeln wollen. Von der kaputten Mode über die eingeworfenen eigenen Musikvideos (mit einer singenden Naomi Campbell!) bis hin zu Dialogen, die jeder Grundschüler besser schreiben kann. „Cool As Ice“ ist große Unterhaltung im schlechtesten Sinne. Ein Unfall, bei dem man kaum wegsehen kann. Und wie Kaminski diesen Murks (natürlich sehr hübsch) filmen konnte, bleibt ein Rätsel und wohl der damaligen Kohle von Ice geschuldet. „Cool As Ice“ ist wie ein bizarrer Traum. Manchmal sogar etwas burtonesk. Vergisst man nicht, sollte man mal gesehen haben. Wohin (kurzer) Superstardom und unendliches Selbstbewusstsein führen können... Zum Glück wurde er recht schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Außer mit den Turtles durfte er danach kaum noch mit jemandem tanzen. Dabei ist er immerhin darin wirklich gut. Unfaire Welt.

Fazit: einer der schlechtesten Filme aller Zeiten. Aber teilweise echt lustig und schön bescheuert. Naja, einen besseren Film hat Vanilla Ice auch nicht wirklich verdient. Peinlich, prollig, plump. Und in all dieser Verplantheit zumindest teilweise sympathisch und auf seine Art unterhaltsam. Ein abschleckendes Kuriosum. In kleinen Dosen genießen. Das Bier dazu darf ruhig in große. 

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