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iHaveCNit: Pirates of the Caribbean: Salazars Rache (2017)

6 Jahre nach dem 2011 erschienenen 4. Teil der Fluch-der-Karibik-Reihe kommt nun der 5. Teil in die Kinos. Im Original „Dead Men Tell No Tales“, hierzulande „Salazars Rache“. Nach Gore Verbinski und Rob Marshall sind nun das norwegische Regisseurendou Joachim Ronning und Espen Sandberg mit der Inszenierung betraut. Doch zunächst die berechtigten Fragen: Braucht es überhaupt einen 5. Teil ? Kann man dieser Reihe noch ein wenig neues Leben einhauchen ? Ich muss sagen, dass der 5. Teil unterhaltsam genug ist, aber nach diesem Teil nun auch alles vorbei sein sollte. Warum das so ist, darauf komme ich noch.

Hier werden wieder unterschiedliche Erzählstränge verknüpft. Der verfluchte, spanische Kapitän Salazar will sich an Jack Sparrow rächen, weil dieser sein Schiff und seine Crew am Bermudadreieck zerschellen hat lassen und somit zu dauerhaftem untoten Dasein gezwungen hat. Die junge Astronomin Carina Smith und der junge Henry Turner sind zufälligerweise beide auf der Suche nach dem sagenumwobenen Dreizack des Poseidon. Er vor allem, um seinen Vater von einem dauerhaften Fluch zu befreien. Im karibischen St. Martin treffen Sparrow, Turner und Smith aufeinander und machen sich gemeinsam auf die Suche nach dem Dreizack.

Mir hat der Film gefallen, auch wenn ich im Nachhinein sagen muss, dass nicht alles Gold ist, was in der Schatztruhe verborgen ist. Irgendwie ist Jack Sparrow an jedem Fluch eines legendären Kapitäns und Piraten beteiligt. Irgendwie will jeder dafür Rache an Sparrow. Und irgendwie geht es immer um ein sagenumwobenes Artefakt, hinter dem jeder her ist. Das macht es einfach, ein klassisches Storykonstrukt zu entwerfen, dass leicht variierbar, aber auch austausch- und vorhersehbar ist. Der erste Teil hat ja mit seiner Story und den ganzen Elementen um Slapstick, Wortwitz, Komik, Drama, Hochseeaction und Abenteuer einen guten Mix kreiert – denn genau das ist im Grunde in jedem Fluch-der-Karibik enthalten. Da kann man dem einzelnen Film auch nicht vorwerfen, irgendwie inkonsistent im Ton zu sein, nur weil auf Slapstick dann eine emotionale Sequenz und dann wieder überbordende CGI-Effekte und Actionelemente folgen – denn das ist eben Fluch-der-Karibik ! Natürlich ist CGI und die Arbeit mit Leinwänden das Mittel der Wahl auch hier gewesen, auch wenn der Erstling noch mit erfrischen wenig computergenerierten und mehr handgemachten Effekten daherkam. Aber ich hatte hier kein Problem mit den Effekten, weil das Design der Crew von Salazar und Salazar selbst, ein verjüngter Jack Sparrow (der weniger problematisch gewesen ist als z.B. ein Moff Tarkin und Leia Organa in Rogue One), Geisterhaie und ein sich teilendes Meer – gerade weil der Film das mit dem CGI-Overkill eiskalt durchzieht und nicht krampfhaft versucht, einem etwas anderes vorzugaukeln. Die Slapstick reicht von einem Bankdiebstahl, einem Guilottinen-Karussell und unglaublich dummen Wortwitzen. Das mag dem ein oder anderen sauer aufstoßen, der es gerne etwas ernster hat, aber auch das ist Fluch der Karibik.

Bei meiner Retrospektive musste ich zweimal hinsehen, um einen Vergleich zu ziehen. Für mich ist eine gewisse optische Ähnlichkeit zwischen den jungen Orlando Bloom und Brenton Thwaites zu erkennen. Bloom war 26 damals, Twaites ist nun 28. Also vor allem, wenn man rein charakterlich noch eine gewisse Note Keira Knightley reinbringt, passt es total, einen Brenton Thwaites als Sohn von Will Turner und Elizabeth Swann zu casten. Brenton Thwaites ist mir bereits positiv in Filmen wie dem interessanten Mindfuck-Science-Fiction-Film „The Signal“ oder auch dem australischen Actionthriller „Son of a Gun“ aufgefallen und hatte auch eine gewissermaßen wichtige Rolle im letztjährigen „Gods of Egypt“. Sein Charakter des Henry Turner, seine Hintergründe, seine Motivation sind der emotionale Kern der Geschichte, um den sich alles entwickelt. Und genau dieser emotionale Hintergrund ist genau einer, den ich in der Fluch-der-Karibik-Reihe immer gern gemocht habe und der zu einer kurzen Rückkehr von 2 bei mir sehr beliebten Charakteren geführt hat. Da kann ich verschmerzen, dass er hier bei all dem fantastischen Abenteuer und Komik-Gedöns etwas gezwungen ernst rüberkommt. Als weiblichen Gegenpart haben wir hier Kaya Scodelario als Carina Smith, die auch ihre eigene, etwas weniger emotionale Hintergrundgeschichte hat. Gerade ihre Rolle als Wissenschaftlerin und die charakterliche Auslegung zu mehr geschlechtlicher Gleichberechtigung scheint ein wenig aus dem Rahmen und der Zeit zu fallen, in der diese Geschichte spielt. Aber die Kombination aus Scodelario und Thwaites ist gesamt besser zu beurteilen als es noch im Vorgänger die Kombi aus Claflin und Berges-Frisbey gewesen ist.
Javier Bardem gibt hier mit einer gewissen, gefährlichen Ruhe und einem mit atemproblemen behafteten Sprachfehler einen für ihn klassischen Bardem-Bösewicht, für den er bereits im Coen-Film „No Country For Old Men“ oder auch dem 2012-er-Bond „Skyfall“ gefeiert worden ist, aber hier kaum neue Facetten dazubringt und nur einen klassischen Superbösewicht für Captain Jack Sparrow in der Tradition von Davy Jones, Barbossa und Blackbeard abgibt. Johnny Depp ist dann nur noch routiniert dabei seine Paraderolle runterzuspulen, für die er damals noch euphorisch gefeiert und für den Oscar nominiert worden ist.

Allgemein arbeitet der Film seine knapp 130 Minuten aber klar und ohne groß überladen zu sein auf sein konstruiertes Ziel hin und löst für mich quasi alle Handlungsstränge der Fluch-der-Karibik-Reihe auf, so dass für mich hier klar Schluss sein sollte, auch wenn bereits ein 6. Teil angekündigt worden ist.

„Pirates of the Caribbean: Salazars Rache“ - My First Look – 8/10 Punkte

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