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Ohne etwas Böses zu ahnen, gibt der erfolglose und von seiner Crew verlassene Pirat Jack Sparrow, gespielt von Johnny Depp, seinen verwunschenen Kompass für etwas Alkohol her und erlöst damit ungewollt den Zombie-Piraten Salazar, gespielt von Javier Bardem, und dessen untote Crew aus der Verbannung. Dieser sinnt nach Rache an Sparrow und findet in dessen Konkurrenten Barbossa, gespielt von Geoffrey Rush, einen Verbündeten. Sparrows einzige Chance, den Toten zu entgehen, besteht nun darin, Poseidons Dreizack zu finden, mit dem sämtliche Flüche der sieben Weltmeere gebrochen werden können. Unterstützt wird er von Henry Turner, gespielt von Brenton Thwaites, der seinen Vater Will, gespielt von Orlando Bloom, von der Flying Dutchman befreien will sowie von einer jungen Astronomin, gespielt von Kaya Scodelairo, die den Seemännern den Weg weisen soll.

Die Meinungen darüber, ob es den dritten, vierten und nun den fünften Teil der „Fluch der Karibik“-Reihe unbedingt gebraucht hätte, gehen weit auseinander, doch solange der finanzielle Erfolg nicht abbricht, wird sich bei Disney niemand daran stören, dass die Franchise sich inhaltlich totläuft. Überhaupt sind weder das Mäusestudio, noch Produzent Jerry Bruckheimer dafür bekannt, Kühe zu schlachten, die noch Milch geben und wenn nur die Hälfte der Gerüchte über den ausschweifenden Lebensstil Johnny Depps zutrifft, dürfte auch der zuletzt in allerhand Flops zugegen gewesene Hauptdarsteller eine weitere üppige Finanzspritze für seine Jack-Sparrow-Rolle gut gebrauchen können. Entstanden ist so ein Film, der unter das Label „cineastische Fließbandware“ fällt und genauso wenig in nachhaltiger Erinnerung bleiben dürfte wie die letzten Teile der Reihe.

Zwar hatte man mit den Norwegern Joachim Ronning und Espen Sandberg zwei Regisseur gewinnen können, die zuletzt mit „Max Manus“ und „Kon-Tiki“ zwei Biopics verfilmten. Doch in „Fluch der Karibik 5“ haben die beiden diesmal keine schlüssige oder interessante Geschichte zur Verfügung gehabt. Stattdessen basiert der Film auf der üblichen Mixtur aus krudem Seemannsgarn und übernatürlichem Mumpitz, der vor kauzigen Seemännern, fantasievollen Elementen und wirren Wendungen nur so überschäumt. Das macht den Film, auch angesichts des gehetzten Tempos, stellenweise etwas anstrengend, zumal die Loyalitäten und Allianzen zwischen den Protagonisten im Minutentakt wechseln. Im ersten Teil der Reihe war das zwar, im Großen und Ganzen jedenfalls, zugegebenermaßen auch nicht anders, doch da waren die wilden Abenteuer des tuntigen Piraten noch frisch und unverbraucht. Hier dagegen kommt einem alles irgendwie bekannt vor bis hin zur Geschichte, dass ein Sohn allerhand Entbehrungen auf sich nimmt, um seinen Vater vom Fluch der Knechtschaft auf der Flying Dutchman zu befreien. Und auch die weiterhin famose wie unverwechselbare Darstellung Johnny Depps, einst Zugpferd der Reihe, verschleißt sich zusehends, wenngleich einige Gags auch weiterhin zünden mögen. Die neuen Gesichter, die zauberhafte Kaya Scodelario und der etwas zu uncharismatische Brenton Thwaites reichen da als Erweiterungen nicht aus, zumal sie weiterhin im Schatten von Johnny Depp stehen. Selbiges gilt für den austauschbaren Antagonisten.

Audiovisuell steht „Pirates of the Caribbean: Salazars Rache“ seinen Vorgängern dagegen in nichts nach. Die Landschaftsaufnahmen sind opulent, die Ausstattung, die Effekte, der Cast, die Maske - alles Spitzenklasse. Die Actionszenen, an Absurdität wie gewohnt nicht zu übertreffen und durchaus ironisch bis ins Cartooneske gesteigert, wissen mit augenzwinkerndem Witz und aufgrund der brillanten Computertechnik ebenfalls zu gefallen. Auch der Score von Geoff Zanelli, der einige altbekannte Elemente von Hans Zimmers Arbeit aufgreift, ist durchaus wirkungsvoll, wenn er eingespielt wird. Überhaupt zeugt der Rückgriff auf bekannte Motive und Figuren nicht ausschließlich von Ideenarmut und Monotonie, in den besseren Szenen gelingt es so im Gegenteil sogar, das Feeling der Vorgänger zurückzuholen. So dürfte es nicht nur die Fans der Reihe erfreuen, wenn die Black Pearl wieder in See sticht, wenngleich gutes Handwerk und einige Wiedererkennungswerte insgesamt nicht ausreichen um einen weitgehend verzichtbaren Blockbuster über das Mittelmaß zu hieven.

Fazit:
Audiovisuell gewohnt überzeugend ist „Pirates of the Caribbean: Salazars Rache“ eine zwar halbwegs unterhaltsame aber doch weitgehend verzichtbare Fortführung einer Reihe, die das Niveau des ersten Teils wohl nie wieder erreichen wird.

51 %

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