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Langfilmdebütant Jeremy Lutter stellt sich mit seinem Erstling mutig den zeitgenössischen Sehgewohnheiten entgegen, indem er den Stoff betont langsam und ohne sonderliche Effekte vorträgt. Das schürt zwar Empathie gegenüber der Hauptfigur, erzeugt in Sachen Horror jedoch zu selten Spannung.

Waisenkind Sam (Jessica McLeod) lebt noch nicht lange bei ihren Adoptiveltern. Ausgerechnet an Halloween soll sie auf die zehnjährige Olivia (Hannah Cheramy) aufpassen, die jedoch spurlos im angrenzenden Wald verschwindet. Als Olivia eines Nachts zurückkehrt, erscheint sie verändert, sie wirkt kühl und unberechenbar. Schon bald erkennt Sam einen Zusammenhang mit Kindern, die bereits vor geraumer Zeit im Wald verschwanden…

Die Geschichte setzt über weite Teile auf Familiendrama, mit Sam im Fokus und Aspekten von Coming-of-Age, denn die zunächst rebellische Teenagerin macht eine Entwicklung durch, kämpft gegen ihre Autoaggression an und scheint als einzige die Veränderungen an Olivia wahrzunehmen. Diese erscheint einige Male ein wenig creepy, etwa, als sie den Nachbarshund ärgert oder am Esstisch kleine Teufeleien anzettelt.

Da lange Zeit nicht klar ist, was während der Zeit ihres Verschwindens geschah und was es mit einem stummen Geistermädchen im Wald auf sich hat, wird die Spannung einigermaßen gehalten, wobei sich im Mittelteil nicht allzu viel ereignet und Sams indirektes Umfeld ein wenig zuviel Raum erhält. Im letzten Drittel spitzt sich die Situation ein wenig zu, es kommt zu FSK16-tauglichen Gewaltszenen und es gibt minimale Monstereinlagen als kleines Zugeständnis an die Horrorgemeinde.

Hauptdarstellerin McLeod vermag das Geschehen locker zu tragen, ihre Performance fällt auffallend nuanciert und sensibel aus, während Hannah Cheramy speziell in den perfiden Momenten überzeugt. Dagegen kommen die restlichen Performances nicht ansatzweise mit, wobei auch niemand neben der Spur liegt. Handwerklich sticht vor allem die durchdachte und gleichermaßen angenehm unaufgeregte Kamera ins Auge und auch der Score mit überwiegend dumpfen Klängen erzeugt eine insgesamt düstere Stimmung.

Letztlich ist „Hollow Child“ mehr Drama denn Horror, er sorgt allerdings für eine stimmige Atmosphäre und punktet hinsichtlich der Hauptfigur mit einer ausgezeichneten Figurenzeichnung. Storytechnisch wird man demgegenüber kaum überrascht, die Geschichte gerät unterm Strich recht konventionell und überraschungsarm und auch die Spannung hält sich in Grenzen. Wer es ruhiger und fast ein wenig altmodisch bevorzugt, dürfte jedoch nicht gänzlich enttäuscht werden.
Knapp
6 von 10

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