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In der Nacht vom 11. Juni 1962 gelang drei Insassen die Flucht aus dem berüchtigten, auf einer Insel vor San Francisco eingerichteten Hochsicherheitsgefängnis „Alcatraz“. Bis zum frühen Morgen blieb deren Verschwinden unentdeckt. Bis heute hat man keine Spur der drei gefunden. Niemand weiss, ob sie nicht in der kalten Meeresströmung der San Francisco Bay umgekommen sind. Noch immer zählen die drei zu den meistgesuchtesten Verbrechern Kaliforniens.

1979 wagte sich Paramount an eine Verfilmung des Stoffs. Actionspezialist Don Siegel leitete das Unternehmen als Regisseur und Produzent. Es war sein fünfter Film mit Clint Eastwood in der Hauptrolle.
"Escape from Alcatraz" beginnt mit der Einlieferung des Kopfs des Fluchtunternehmens, Frank Morris (Eastwood). Die erste Hälfte des Films zeigt den Gefängnisalltag in Alcatraz, man lernt einige der Mitinsassen und den Gefängnisdirektor (Patrick McGoohan) näher kennen. Die zweite Filmhälfte ist der Vorbereitung und Ausführung der Flucht durch das marode Lüftungssystem des über hundert Jahre alten Gebäudes gewidmet.

"Escape from Alcatraz" lässt mich etwas ratlos zurück. Ich konnte der relativ ruhigen, aber durchaus spannend gestalteten ersten Hälfte, in der die Beziehungen der Gefangenen untereinander entwickelt werden, mehr abgewinnen als der sprunghaft inszenierten zweiten. Dort zerbricht das Konzept des Films, der sich bis dahin linear und stringent vorwärts bewegt hat, daran, dass nun plötzlich nicht mehr die Personen und Beziehungen im Mittelpunkt stehen, sondern die vergleichsweise langweilige, langwierige Arbeit des Mörtelkratzens, Pappmaché-Köpfe Herstellens und des Auftreibens von Hilfsmaterial. Um die Langfädigkeit zu umgehen, wird die Zeit mittels Überblendungen gerafft. Das wiederum hat eine gewisse Unglaubwürdigkeit zur Folge: Wie war es möglich, derart perfekte Pappmaché-Köpfe herzustellen, ohne die Aufmerksamkeit der Wärter zu erregen? Und wie war es möglich, die über-wachsamen Wärter mit diesen zu täuschen? Das Beantworten dieser Fragen hätte mehr Zeit erfordert. Dank des Zeitraffers erscheint die ganze Flucht-Geschichte unrealistisch und unglaubwürdig und das wirkt sich leider nicht zum Vorteil des handwerklich durchaus gut gemachten Films aus.
Eine Mini-Serie fürs Fernsehen wäre wahrscheinlich das passendere Format für den Stoff gewesen.

Nach der Sichtung frage ich mich zudem, was der Film eigentlich will – das wird nie ganz klar. Einiges deutet darauf hin, dass die Zustände in den amerikanischen Gefängnissen kritisiert werden sollten: Der Direktor ist ein rachsüchtiger Fiesling, seine Methoden sind brutal und entwürdigend. Auf der anderen Seite wirkt das Gros der Gefangenen eher kumpelhaft und harmlos – sicher nicht die Klientel, die in einem Hochsicherheitsgefängnis wie Alcatraz versorgt wird. "Escape from Alcatraz" wirkt also zunächst wie einer jener typischen links-kritischen New Hollywood-Filme. Doch die Kritik bleibt in den Ansätzen stecken und verpufft gegen Ende vollends.
Übrig bleibt ein etwas unebenes, durchaus spannendes und unterhaltsames Gefangenendrama mit Actionelementen, das bei genauer Betrachtung weniger Fleisch am Knochen hat als es zunächst scheint.

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