Review

Season 1

Season 1

Die „Hannibal“-Köpfe machen aus Neil Gaimans Satire auf von Menschen gemachte Götter eine TV-Serie? Alleine bei dem Gedanken löst sich das Hirn bereitwillig von der Membran und tanzt einen schwungvollen Walzer. Schließlich stößt eine unverbrauchte Grundidee auf visionäre Erschaffer von bewegten Bildern.

Und die ersten beiden Episoden legen los wie die Feuerwehr. Der stroboskopartig in verschiedene Neonfarben getauchte Vorspann darf als Richtungsweiser gelten. Darauf vertrauend, dass sich der Zuschauer die immerhin nur acht Teile lange erste Staffel bis zum Ende durchsehen wird, werden ihm die abstrakten Puzzleteile ohne Gebrauchsanweisung achtlos vor die Füße geworfen. Mit nie (außer in „Hannibal“) gesehenen Bildkompositionen und gehörtem Irrenanstalts-Soundtrack wird man regelrecht überfüttert. Sinn ergibt das auf den ersten Blick nur bedingt; zunächst einmal behält der Stil gegenüber der Substanz klar die Oberhand.

Doch keine Sorge, das Eye-Candy wird noch früh genug mit Inhalt verschmolzen. Gaimans blumige, ironische Schreibweise legt sich nicht unbedingt im bierernsten Hauptdarsteller, um so mehr jedoch in Nebendarstellern wie Peter Stormare, Emily Browning, Pablo Schreiber und vor allem dem überragenden Ian McShane nieder. Ja, selbst die normalerweise so strichmundige Gillian Anderson blüht in einer Travestie-Show der Extraklasse auf (man muss dabei gewesen sein, um es zu glauben, aber ihre Marilyn Monroe ist ein Fest!). Stellenweise blitzt sogar der Surrealismus David Lynchs auf (der echte, nicht dieser nachgeahmte, den man jedem zweiten Mystery-Thriller andichtet), doch Bodenhaftung bleibt gerade so weit bestehen, dass die Prämisse erkennbar bleibt: falsche Götter in die grellen Warnfarben zu kleiden, die ihnen gebühren.

Der harte Seegang zwischen Beziehungsdrama und Parforceritt durch die Weltgeschichte mag sich als Massenfutter nicht eignen; insofern ist es mutig, Bryan Fuller wieder an die Regler gelassen zu haben, dessen letzte Serie wegen Überforderung des Publikums über drei Staffeln nicht hinauskam. Dabei reicht ein bisschen Hirnschmalz und die Bereitschaft, sich auf unkonventionelles Erzählen einzulassen, aus, um Gefallen an „American Gods“ zu finden.

weitere Staffelbesprechungen können folgen.

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