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Die Guardians of the Galaxy haben soeben im Auftrag der Sovereign ein Monster getötet, als sie es sich schon wieder mit dem genetisch optimierten Volk verderben: Rocket hat diesem ein paar wertvolle Batterien geklaut, weswegen die Sovereign die Guardians verfolgen. Diese werden von einem Fremden, gespielt von Kurt Russell, daraufhin aus der Miesere gerettet, der sich als Ego vorstellt und vorgibt der verschollene Vater von Star Lord, gespielt von Chris Pratt, zu sein. Ego ist kein normaler Mensch, er ist eine Art Gott, der einen ganzen Planeten als Teil seiner selbst geschaffen hat. Dahin reist er nun mit seinem Sohn, mit Gamora, gespielt von Zoe Saldana, und Drax, gespielt von Dave Bautista. Unterdessen beauftragen die Sovereign Star Lords Ziehvater Yondu, gespielt von Michael Rooker, mit der Jagd auf die Guardians, die Rocket und Baby Groot zunächst bei ihrem Schiff zurückgelassen haben. Außerdem befindet sich die soeben aus der Gefangenschaft entkommene Nebula auf der Suche nach ihrer Schwester Gamora, an der sie sich mit aller Macht für ihre verkorkste Kindheit rächen will.

Mit der Comic-Verfilmung „Guardians of the Galaxy“ ging Marvel 2014 ein vergleichsweise hohes Risiko ein. Nicht nur, dass keine bereits etablierten und kassenträchtigen Superhelden wie Iron-Man mit von der Partie waren, die bunte Truppe, die unter anderem aus einem sprechenden Waschbären und aus einer lebenden Pflanze bestand, basierte auf einem eher unbekannten Marvel-Comic. Am Ende standen jedoch nicht nur die Lobeshymnen der Kritiker, sondern auch ein Box Office von über 700 Millionen Dollar, weswegen James Gunn sein weitgehend von den Avengers entkoppeltes Superheldenspektakel fortsetzen konnte. Im zweiten Teil geht Gunn nun kein Risiko mehr ein und setzt erneut auf die Erfolgsrezepte, die Mixtur des Vorgängers, wobei er seinem „Guardians of the Galaxy 2“ jedoch diesmal von manchem zu viel beimischt.

Gunn, der bereits beim ersten Teil stilsicher einen mehr oder weniger zum Kult avancierten Soundtrack aus Pop- und Rocksongs der 60er- und 70er Jahre auswählte und die Musik gekonnt auch in die Handlung einbettete, leistet, was die musikalische Untermalung angeht, erneut hervorragende Arbeit. Insbesondere beim emotionalen Abgang findet er mit Cat Stevens „Father and Son“ einen gleichermaßen thematisch wie auch zur Stimmung passenden Song, um seinen Film würdig zu beschließen. Auch den Humor des Vorgängerfilms hat er sich bewahrt. Die launigen Dialoge und die witzigen Wortgefechte, die sich die Guardians-Familie im Film liefert, sind größtenteils kurzweilig ausgefallen, was zum einen der Verschiedenheit der skurrilen Figuren wie auch der rasanten Gruppendynamik geschuldet ist. Immer, wenn die etwas hanebüchene Story ein wenig stockt, macht Gunn das durch den nächsten Gag vergessen, was aber auch verhindert, dass sein Film mal ernstere Züge annimmt. Vor allem wird sich Gunn fragen lassen müssen, warum er das witzige und dynamische Team, das seinen Film trägt, dieses Mal spaltet und das Geschehen auf mehrere Schauplätze verlagert. Narrativ hat das dem Sequel jedenfalls nicht so gut getan, wenngleich aufgrund der hohen Gagdichte dennoch durchgehend für Kurzweil gesorgt ist.

Was Action und Effekte angeht, wird auch bei diesem Marvel-Film allerhöchstes Niveau geboten, dazu eine knallbunte Optik in meist ansehnlichem 3D. Was die Vielzahl an Planeten und an außerirdischen Völkern betrifft, kann sich der „Guardians of the Galaxy“-Kosmos nach diesem zweiten Teil vermutlich endgültig mit dem von „Star Wars“ messen lassen. Auch was damit einhergehend an Design, Ausstattung, visueller Vielfalt und von der Oscar-reifen Maske geboten wird, ist mitunter schlicht atemberaubend. Beim Finale, bei dem dann aber zu viele Akteure auf einmal zusammentreffen, verspekuliert sich Gunn - es ist einfach zu viel CGI, zu viel Bombast, etwas überfrachtet. Nichtsdestotrotz sind auch die Action-Szenen echte Höhepunkte, besonders die schwarzhumorige wie stylische Sequenz, in welcher der von Michael Rooker verkörperte Yondu fast beiläufig auf dem Weg durch sein Raumschiff mit seinem telepathisch gesteuerten Pfeil eine halbe Heerschaar seiner ehemaligen Crew erledigt.

Auch was die Beziehungsebenen zwischen dem hier deutlich erweiterten Figurenensemble angeht, kupfert Gunn munter bei Star Wars, der großen Space Opera, ab und setzt auch auf die emotionale Karte. Da werden Liebesgeschichten gesponnen, Familienzwiste aufgerollt, Star Lord trifft auf seinen Vater, Rocket findet einen Seelenverwandten und Gamora kämpft gegen die rachsüchtige Schwester, während sie sich diverser Avancen durch ihr männliches Teammitglied erwehren muss. Und der knuddelige Baby Groot dürfte dabei mehr als nur den Beschützerinstinkt seiner Mitstreiter auf der Leinwand ansprechen. Dieses dramaturgisch allzu konstruierte und mitunter verworrene Beziehungsgeflecht erfüllt nicht zuletzt aufgrund der interessanten und sympathischen Charaktere durchaus seinen Zweck, weshalb der Showdown auch emotional durchaus packend ausgefallen ist. Auf jeden Fall geht die Erweiterung des Figurenensembles dabei zu Lasten von Chris Pratt, der im Vorgänger noch das Gesicht der Truppe war und hier neben dem vor allem physisch präsenten Bautista und der geheimnisvollen Gamora nicht mehr so hervorsticht. Die große Show liegt ohnehin mehr bei den Sidekicks und Nebenfiguren, bei Baby Groot und Rocket, beim diesmal sehr zentral im Mittelpunkt stehenden Yondu, gespielt von einem charismatischen Michael Rooker. Den bleibendsten Eindruck hinterlässt aber der großartige Kurt Russell, der den lebenden Planeten und Quasi-Gott Ego zunächst mit Ausstrahlung und Gravität verkörpert, ihn dabei aber auch etwas suspekt anlegt. Eine starke Leistung in einer spannenden Rolle. Die regelrechte Kaskade von Post-Credit-Szenen deutet indes an, dass das Universum der Guardians of the Galaxy im nächsten Teil noch stärker erweitert, womöglich aber auch deutlich überdehnt wird.

Fazit:
Die Chemie stimmt auch diesmal weitgehend: Die witzige Truppe um Star Lord sorgt für Kurzweil und beste Unterhaltung, Action, Effekte und Design bewegen sich auf höchstem Niveau und der Soundtrack ist stimmig ausgewählt - gelungenes Popcorn-Kino eben. Allerdings: Der Vorgänger war besser, noch spritziger und weniger überfrachtet.

74 %

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