Review

Der Preis des Wunsches nach Ruhm


Ziellos durch die Wüste des Ichs. Ein womöglich gutes Double Feature mit „Spring Breakers“ oder „Under the Silver Lake“. „Like Me“ ist ein gesellschaftskritischer, lauter, bunter, hipper und aufdringlicher Trip durch die Abgründe der Generation Y. Wir folgen einer jungen, etwas verloren wirkenden, einsamen Influencerin und ihren immer krasser werdenden Videos und Aktionen, mit denen sie sich sowohl in der realen wie virtuellen Welt viele „Freunde“ und noch mehr Feinde macht...

„Like Me“ ist ein expressiver, experimenteller und sicher auch polarisierender Trip durch die Psyche einer ganzen Generation. Oder zumindest hätte das der Regisseur wohl gerne, da die Rechnung bei mir nur in Teilen aufgeht, ich zwischen Kunst und Müll, zwischen Oberfläche und Seele hin- und hergerissen bin. Kult ist dick und fett auf das Projekt gedruckt, doch es wird nach meiner Voraussage definitiv mehr Gegner geben und Leute, die davon massiv abgeturnt sind, als Fans. Immerhin ist er recht kurz, was aber auch schon reichen kann, wenn man gar keinen Zugang findet, sich null Faszination überträgt. Das war bei mir zum Glück nicht ganz der Fall. Audiovisuell war ich definitiv drauf. Aber story- und figurentechnisch hätte ich wohl kaum kalter gelassen werden können. Daher bleibe ich mit gemischten Gefühlen zurück, würde ihn mir vielleicht sogar nochmal geben - alleine und nicht im Rahmen etlicher weiterer Werke auf einem Festival, wodurch er etwas verwirren, querschlagen und irritieren kann. Darauf sollte man sich mit voller Konzentration einlassen - sonst ist man verloren in einem Meer aus Wahnsinn, Wirrwarr und Wischwasch. 

Fazit: stylisch, kultig, interessant, irgendwo zwischen Harmony Korine, einem LSD-Trip, kranken YouTube-Videos und Fetischpornos, insgesamt für mich aber eher Hülle als bleibend. Ohne wirklichen Mehrwert. Cool, nice Try, ich bleibe unberührt. 

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