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Da sich ein „This Beautiful Fantastic“ hierzulande nicht allzu gut vermarkten lässt, griff der deutsche Verleih auf den Trick der Assoziation zurück und selbst das Cover erinnert ein wenig an „Die fabelhafte Welt der Amélie“. Autor und Regisseur Simon Aboud kreiert ein zuweilen märchenhaftes Stück Wohlfühlfilm, kommt Gartenfreunden allerdings nur sehr wenig entgegen.

Bella (Jessica Brown Findlay) wuchs als Waisenkind auf, ist Ordnungsfanatikerin und arbeitet in einer Bibliothek. Als ihr grantiger alter Nachbar Alfie (Tom Wilkinson) sie beim Hausverwalter wegen ihres vernachlässigten Gartens anschwärzt, erhält sie einen Monat Zeit, diesen auf Vordermann zu bringen, ansonsten muss sie das Haus verlassen. Alfies ehemaliger Koch Vernon (Andrew Scott) versucht sie zu unterstützen, bis sich ein ungewöhnlicher Deal abzeichnet…

Aufblühen lautet hier das Stichwort, welches auf viele Aspekte der Erzählung zutrifft. Nicht nur der titelgebende Garten, welcher zunächst komplett verwildert und ohne Blühpflanzen vor sich hin vegetiert, natürlich auch Bella wird aus ihrer routinierten Lethargie gerissen, als gleich drei Männer auf verschiedene Weise in ihr Leben dringen. Denn Billy (Jeremy Irvine), ein Erfinder, der sich fast täglich in der Bibliothek aufhält, fällt ihr sofort ins Auge, weil er auf engstem Raum Chaos verursacht und Gegensätze sich bekanntlich anziehen.

Insofern lässt sich über Bellas Aversion gegen den Garten nur mutmaßen, dass dieser nicht wirklich kontrolliert werden kann und zu unberechenbar ist, denn im besten Fall stellt ein Garten geordnetes Chaos dar. Vernon mag indes das Spontane, denn als dieser nach der Kündigung durch Alfie unangemeldet mit seinen Zwillingskindern bei Bella zum Frühstück hereinplatzt, stellt er sogleich ihre Routine auf den Kopf. Für die kleinen Schmunzler ist indes Alfie zuständig, da der Griesgram jeden zu verprellen versucht und auch nicht vor Hitler-Vergleichen zurückschreckt. Auf der anderen Seite gibt er im Verlauf einige Weißheiten preis, die Gartenfreunde deutlich nickend quittieren dürften.

Leider verkommt Bella im Verlauf ein wenig zum Spielball ihres Umfeldes, was letztlich ein wenig altmodisch daherkommt. Zwar mangelt es ihr nicht an Selbstbewusstsein, doch es folgt kaum eine Eigeninitiative, was speziell im letzten Drittel deutlich wird.
Anderweitig sind es einige beinahe magische Momente, teils herrlich versponnen, teils melancholisch, die das Geschehen regelmäßig aufwerten. Etwa, als Afie von seinen Blumenfund im Iran berichtet oder als Bellas Kindergeschichte über die Ente Luna so langsam Gestalt annimmt. Dazwischen wirkt die Liebesgeschichte mit Billy fast wie ein Fremdkörper, zumal dieser Plot zu plump und vorhersehbar ausgearbeitet ist.

Am Ende spielt die britische Bella Brown in einer anderen Liga als die französische Amélie, da es den Figuren an subtilen Eigenschaften mangelt, einige lustig gemeinte Einschübe etwas angestaubt wirken und insgesamt ein wenig Esprit fehlt.
Dennoch ein charmanter, weitgehend leise erzählter Film mit überzeugenden und treffend besetzten Figuren, dem etwas mehr zauberhafte Flora und weniger Liebesgedöns gut gestanden hätte.
6,5 von 10

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