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Entgegen aller Unkenrufe, die je nach Präferenzen und Konsistenz mehr oder minder in schnöder Regelmäßigkeit über den siechenden Untergang des gemeinen HK - Kinos erscheinen, ist die Filmlandschaft dort natürlich immer noch am Leben, und wenn auch sicher nicht tatsächlich am Gedeihen, sich doch auch weiterhin und dies über die nächsten Jahre problemlos am Bewähren. Mit ein Grund dafür ist neben dem Ansprechen auch der eigenen Lokalität und so der verstärkt die Rücksichtnahme auf Bedürfnisse des einheimischen Publikums auch das Beibehalten oder Wiederbeleben von Tradition, wobei das Subgenre des Hopping Vampire mittlerweile allerdings auch im Chinesischen Mutterland ausgelebt wird. Auch wenn eigentlich Niemand davon großartig Notiz nimmt:

Der junge Tim Cheung [ BabyJohn Choi ] ist noch nicht so richtig im Leben angekommen, wird auch noch von seiner Großmutter [ Siu Yam-yam ] versorgt und hat die meisten Erfahrungen noch vor sich. Als er eines Abends einem Passanten zur Hilfe eilend von einem Vampir gebissen wird, überlebt er nur dank guter Gene, die ihn resistent gegen eine Infektion machen. Dadurch gerät er auch in das Interesse des VCD, des Vampire Cleanup Department, wo er folgend von Yeung Chung [ Richard Ng ], Kui [ Lo Meng ], Ginger [ Yuen Cheung-yan ], M [ Bonnie Chu ] und – mit wenig Begeisterung – auch von Yip Chi-Chan ] Chin Siu-ho ] ausgebildet wird. Als Tim bei einem seiner ersten Einsätze als Azubi auf die attraktive und harmlose Untote Summer [ Lin Min-chen ] trifft, verliebt er sich prompt in die 'junge Frau' und versteckt sie bei sich.  

Während im Mutterland, in der Volksrepublik der Jiangshi eigentlich nur im komplett unter dem Radar fliegenden sogenannten Webmovie, eine äußerst preiswerte Kategorie von Film, eine Art einstündliches C-Picture und oft in der Nachahmung populärer Kassenschlager existiert, wird in der ehemaligen Kronkolonie noch damit geworben und reell die große Leinwand bzw. das, was davon übrig geblieben ist anvisiert. Jüngster Ausgangspunkt und damit der belebende Blutstropfen für das Genre war sicherlich das auch im Ausland Aufsehen erregende Regiedebüt Rigor Mortis, der allerdings eher dem gewohnten Ton des Subgenres widerspricht, sowie der Nachzügler Sifu vs. Vampire, der wiederum genau den Regeln aus den Achtziger und frühen Neunzigern folgt und somit eine Art spätes Update dazu ist. Vampire Cleanup Department folgt im Grunde beidem, hat er von dem Ersten den (Alt)Star und von dem Zweiten das Aussehen und die Tonalität, so dass in der Abmischung dessen eigentlich ja nichts schiefgehen kann; oder doch nicht?

Die beiden neuen Regisseure, die ihr Debüt zusammen in Angriff genommen und sich zuvor als Mit-Autoren bei den harmlosen Neujahrskomödien 72 Tenants of Prosperity und I love Hong Kong 2013 miteinander bekannt gemacht haben, vertrauen aus guten Grunde darauf, das Publikum über eine an die Hand nehmende Geschichte auch in die Erzählung selber zu involvieren. Nach einer Eröffnungsszene in der Jetztzeit, die mit einem gelaufenen Massaker in einem Parkhaus und dem Eintreffen der Eingreiftruppe in den Fliegenden Start geht, wird zurückgesprungen und über die 'Biographie' des jüngsten Teammitgliedes die Bekanntmachung und die weitere Karriere im Vampire Cleanup Department selber erzählt. Tim dabei als Vertretung des jüngeren Publikums, als Neuling in der Materie, der erst noch die Gepflogenheiten kennen lernen muss, während das restliche Team aus lauter abgeklärten Veteranen und dies sowohl im Film als auch von seinen Darstellern her besteht.

Als offensichtliche Fans des Subgenres wird das Material auch entsprechend liebevoll behandelt und zwischen Hommage und Aktualisierung ohne gravierende Veränderungen gegenüber den ungeschriebenen Regeln derlei Arbeiten, teilweise fast wie eine Art Retrospektive, als Schulung formuliert. Eine bestenfalls altmodische Inszenierung, in der vielleicht hier und da der Schnitt mal etwas flotter und abrupter gesetzt ist als noch in den Achtzigern, man sich aber Zeit im Aufbau und der Vorstellung der Situation nimmt und nicht etwa überhektisch oder anderweitig agitierend an die Angelegenheit herangeht. Eher noch mehr als gewohnt nimmt man mit der Mündelrolle und der gleich eine Handvoll Mentoren hier den Zuschauer fest an die Hand, quasi eine ausgedehnte Theorie- und Praxisanleitung, die mit dem ersten Training, einer Übungsmission, dem zweiten Training usw. in eher kleinen Schritten und behutsam voran und erst spät und dann und wann in den Ernstfall übergeht. Ähnlich wie der Hauptdarsteller ist das ganz sympathisch, wenn auch ein wenig naiv und weniger unschuldig als vielmehr etwas zu tumb dann doch in Szene gesetzt; dass man den Übergang der Generationen und den Wechsel von Alt zu Jung zeigen möchte, bedeutet noch nicht, dass man komplett vom Grundstock anfangen muss und sich im kindsköpfigen Charme und einer angedeuteten Romanze / Freundschaft zwischen Mann und "Frau" mehr sorgt und darüber hinaus die anfangs vorgestellte Bedrohung lange Zeit vergisst und hinten anstellt.

Immerhin ist der erste Ausflug in die Bekämpfung des Bösen auf Sai Kung, bei Nacht nach Hong Kongs Hinterland und dort auch an die Gewässer heran und gar hinein und dies auch noch während dem Blutmond eine für sich selber stehende neue Idee; der Gang in das kalte Nass und das Entgegenkommen zweiter dort aufgebahrter und versunkener Gestalten als bisheriges Novum im Subgenre, welches von dem Regie- und Autorenpaar mit viel Option auf Mehr und Kommendes angepriesen und die Tür dafür und eine Fortsetzung generell offengehalten wird. Im Gegensatz zum zuvor als aktuell geltenden Sifu vs. Vampire, der die meisten Chancen auf eine besondere Stellung eben nicht bloß aufgrund der Seltenheit durch seine von Start weg niedere Machart mitsamt allerlei dummen Sprüchen, ebensolches Gehabe und sexuellen Anzüglichkeiten schon beizeiten aufgegeben und dann bloß noch umsonst gegen diese eigens gesetzten Dämonen gekämpft hat, und auch im Gegensatz zu dem später noch nachziehenden Bio Raiders, der aufgrund der Anlage als entsprechend kleinpreisiges Webmovie von den Meisten schon gar nicht mehr registriert ist, gelingt hier aufgrund des eigenen würdevollen Umgangs mit dem Thema trotz aller Schwächen – die vorhanden, aber wohlwollend zu überschauen sind – ein später Nachruf auf die Gattung Film; welche mit der ausgebreiteten Liebesgeschichte und der Verführung aus dem Reich der Toten zwar eine sehr 'weiche' Herangehensweise hat, und damit sicher nicht jedermanns Favorit ist, aber das Herz und die Nostalgie anspricht und dennoch das (überschaubare) Spektakel mit einer finalen Konfrontation in einem Einkaufszentrum nicht ganz vergisst.

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