Review
von Leimbacher-Mario
Timo, das Babygesicht
A24 produziert. Chalamet küsst Monroe. Spielt Anfang der 90er, besitzt noch deutliche 80er-Vibes. „T2“ wird zitiert. Emory Cohen und Thomas Jane in Nebenrollen. Erinnert in seinen besten Momenten an eine jugendliche Mischung aus „Scarface“, „Spring Breakers“ und „Drive“… Ist „Hot Summer Nights“ nicht wie für mich gemacht? Warum fliegt der dermaßen unter dem Radar? Geheimer Gem oder prätentiöser Fehlschuss begabter Beteiligter? Handlung: ein eher unscheinbarer Außenseiter am Anfang der Pubertät lernt im heißesten und stürmischsten Sommer seit langem zwei entscheidende Menschen kennen, die ihn zwischen Drogen und Liebe auf einen gefährlichen Pfad führen…
„Hot Summer Nights“ will manchmal zu viel. Dann kann er wie eine Hülle wirken, wie ein hohles Derivat aus besseren Vorbildern, wie ein Abziehbild, wie ein Werk, dass unbedingt cool und hip sein will, es aber nie wirklich und original ist. Und wenn dieser Eindruck für einen als Zuschauer Oberhand nimmt, dann verstehe ich schon, warum viele Kritiker das Ding verrissen haben und die Zuschauer jetzt nicht in Scharen ankamen, dabei auch kein Kultfilm oder ähnliches herauskam. Zum Glück gibt es für mich aber auch noch eine ganz andere Seite und Wirkung des Films, die eben bei mir mehr ausmacht als seine aufgesetzte Lässigkeit. Da wären Chalamet und Monroe in richtig jung und frisch, zudem mit Chemie und zu allem bereit. Da wäre die schwitzige Atmosphäre, der man dann unaufhaltsam zusehen kann, wie sie in Richtung Gefahr und Dunkelheit und Sturm kippt. Ein Soundtrack voller Hits und interessanter Songs - würde ich mir fast noch eher in die Sammlung stellen als den Film selbst. Das Ende ist mir etwas zu offen und unfertig. Aber bis dahin hat mich die Geschichte zwischen Erwachsenwerden und der Tragweite eigener Entscheidungen samt aller Figuren definitiv bei der Stange gehalten. Selbst wenn es in all seinen Disziplinen bessere Alternativen gibt, stellt er für mich dennoch einen spritzigen Sommercocktail mit einem guten Schuss Blut und Melancholie dar.
Fazit: manchmal etwas „too cool for school“ und im Grunde auch nur eine klischeehafte Kreuzung aus Coming-of-Age und Kleinkrimistory. Plus der (eigentlich echt tolle) Soundtrack drängt sich heftig auf. Aber irgendwie sehe ich „Hot Summer Nights“ jetzt schon durch die rosarote Brille - als ob er ein kleiner Geheimtipp aus den frühen 90ern wäre, der lange verschollen war und jetzt erst ausgegraben wurde…