Die 70er waren das Jahrzehnt der Katastrophenfilme, doch "Flammendes Inferno" dürfte den Höhepunkt des Genres darstellen. Er basiert auf den beiden Romanen "The Tower" von Richard Martin Stern und "The Glass Inferno" von Thomas N. Scortia und Frank M. Robinson. Bei dieser Großproduktion arbeiteten sogar Warner Bros und 20th Century Fox zusammen, der erfahrene John Guillermin (Die Brücke von Remagen, King Kong) wurde als Regisseur auserwählt. Desweiteren versammelte man eine ganze Riege von Stars, doch die drei Oscars heimste "Flammendes Inferno" in anderen Bereichen ein. Nebenbei gehört er auch noch zu den erfolgreichsten Filmen der 70er Jahre.
Der Architekt Doug Roberts (Paul Newman) hat einen gigantischen Wolkenkratzer in San Francisco entworfen, nun soll das 145 Stockwerk hohe Gebäude eingeweiht werden. Auch Doug ist zugegen und stellt sofort einige Sicherheitsmängel fest. Aus Kostengründen griffen Jim Duncan (William Holden) und sein Schwiegersohn Simmons (Richard Chamberlaine) zu billigen Materialien. Die Elektrik wird sofort heiß und es kommt zu einem Brand. Als Doug dies bemerkt ist die Party schon in vollem Gange und das Feuer bricht rasend schnell aus. Chief O´Hallorhan (Steve McQueen) rückt mit seinen Feuerwehrleuten an und steht vor seiner größten Herausforderung. Doch er setzt alles daran die zahlreichen Partygäste aus der obersten Etage zu retten. Auch Doug befindet sich noch im Gebäude.
Stirling Siliphant (In der Hitze der Nacht, Die Höllenfahrt der Poseidon) hatte hier wahrlich keine leichte Aufgabe. Aus zwei Novellen musste er ein Screenplay verfassen, es galt viele Charaktere unterzubringen und neue Maßstäbe zu setzen, dementsprechend lang fällt "Flammendes Inferno" auch aus. Vielleicht hätte man sich in der Einleitung etwas kürzer fassen können, schließlich stehen Doug Roberts und Chief O´Hallorhan im Fokus. Doch bis zu McQueens erstem Auftritt muss man sich gedulden, schließlich muss Doug erst die Sicherheitsmängel, hier in Form von mangelnder Isolierung der Kabel, aufdecken. Zuerst will ihm natürlich niemand glauben, doch die Verantwortlichen sind schnell gefunden. Guillermin kann bei den vielen Charakteren nicht in die Tiefe gehen, was den Zuschauer aber nicht am Mitfiebern hindert. Sympathische Figuren gibt es genug und nicht alle überleben das Inferno. So erweist sich schon hier die Technik als Segen und Fluch zugleich, denn dank der schlechten Verarbeitung nutzt auch die hypermorderne Anlage nichts. Das Feuer breitet sich im 81. Stock aus, darüber befinden sich viele Wohnungen, ganz oben findet die Party mit mehreren hundert Menschen statt. "Flammendes Inferno" braucht ein wenig Zeit, um in die Gänge zu kommen, bietet dann aber Dramatik, Action und Spannung bis zum Ende. Menschen verwandeln sich in lebende Fackeln, oder stürzen sich aus den oberen Fenstern, was Guillermin schon ziemlich drastisch darstellt.
Das Gebäude verwandelt sich in eine Todesfalle, viele Feuerwehrmänner finden den Tod, sogar ein Rettungshubschrauber wird durch eine Explosion erfasst. In das dramatische Geschehen sind auch Kinder involviert und wir erleben wie Menschen unter Todesangst durchdrehen. So scheitern einige Rettungsversuche, Aufzüge drohen abzustürzen und überhaupt wird dem Zuschauer keine Verschnaufpause gegönnt. Dabei bleibt der Film erfreulich bodenständig und die Pyrotechnik ist auch heute noch eine wahre Pracht. Heute würde man sich fleissig an den Computer setzen, doch hier war alles noch handmade. Auch wenn die Stadt im Hintergrund nicht immer echt wirkt, so überzeugen die wortwörtlich heißen Sets durchgehend. Zahlreiche Explosionen, waghalsige Kraxeleien oder Rettungseinsätze treiben den Puls des Zuschauer in die Höhe und das über die gesamte Distanz. Stets unterstützt durch den höchst dramatischen Score von John Williams. Ein paar kitschige Momente fallen da kaum ins Gewicht, auch die prominenten Darsteller übertünchen kleinere Schwächen. Neben Paul Newman (Schlappschuß, Der Clou) und Steve McQueen (Papillon, Getaway), agieren noch Faye Dunaway, William Holden, Richard Chamberlain, Robert Wagner, Fred Astaire und auch Robert Vaughn. Sozusagen alles was Rang und Name hat, ist hier vertreten.
Eine ganz heiße Empfehlung geht an diesen Genrevertreter, der Klischees zwar nicht auslässt, aber an Dramatik und Spannung kaum noch zu toppen ist. Tolle Effekte und hochkarätige Darsteller vermögen voll zu überzeugen, die Einleitung ist vielleicht ein wenig lang geraten. Dennoch eine Augenweide, die man gesehen haben muss.