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Ausgestrahlt an einem stinknormalen Mittwochabend zur Primetime im gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen TV, hier in Gestalt der ARD: ein Juwel von zeitgenössischer Fernseh-Erzählung, welches davon handelt, wie vor den Augen rechtschaffener Eltern im Verborgenen das so geliebte Kind - der einzige Sohn - sich in rechtsradikales Tun verstrickt bis hin zum gemeinschaftlichen Mord an einer Migranten-Familie.

Nicht allein das Thema ist brandaktuell, sondern die Umsetzung desselben unter der Regie von Stephan Lacant ("Freier Fall) erheischt höchstes Kritiker-Lob. Da werden offensichtlich divergierende Handlungsstränge nach und nach handwerklich sauber zusammen geschraubt, um sich schlußendlich stimming zu vereinen. Der Cast umfasst mit u.a.Herbert Knaup, Hanno Kofler und Johanna Gastdorf allemal lichttaugliche und durch vielfältige Auftritte prominent gewordene Akteure des deutschen TV-Ensembles.Und sie allesamt bieten wirklich großes Schauspiel. Dieser Umstand fällt umso mehr positiv ins Gewicht, weil die Inszenierung sehr ruhig, fast sachlich und gemächlich daher kommt und den wenigen Figuren ausreichend Screentime einräumt, um sich zu entwickeln und dem Publikum nahe bringen zu lassen.

Herbert Knaup - das muss einfach erwähnt werden - liefert hier mit seinem inzwischen arg zerfurchten Antlitz eine seiner besten Performances überhaupt ab. Äußerlich bürgerlich & bieder, aber stets auf dem quivive, beweist er eine außerordentliche Sensibilität gegenüber Rassismus, Fremdenhass und faschistischen Versuchungen. Am irgendwie doch offen gehaltenen Ende obsiegt die staatsbürgerlich verfasste Rechtschaffenheit in Form außergewöhnlicher Zivilcourage über dumpfe Familienbande.

Ein letztes Wort: Die vor Jahren so abgefeierte Doku über Hitlers Sekretärin Traudl Junge in der dem Untergang geweihten Reichskanzelei trug den Titel "Im toten Winkel". Ein Schelm, wer hier Arges vermutet?

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