Für einige leicht sado-masochistisch veranlagte Leute fängt eine Beziehung erst dort an, wo für andere die Scheidung eingeläutet wird. Dass sich manche Eheleute nach einigen Jahren nicht mehr viel zu sagen haben, kommt häufig vor, doch Regisseur Thomas Bohn überspitzt diese Tatsache komplett, indem er auf nonverbale Kommunikation setzt.
Nadine (Beate Maes) und ihr Mann Frank (Diego Wallraff) haben sich nichts mehr zu sagen und doch machen sich die Eheleute tagtäglich das Leben gegenseitig schwer, indem sie persönliche Dinge zerstören oder manipulieren. Tochter Lisa (Mersiha Husagic), Fan von Gothic und Metal, scheint ungerührt vom Hickhack ihrer Eltern, denn sie verfolgt ganz andere Ziele…
Bohn setzt in etwa dort on, wo der „Rosenkrieg“ seine Konflikte auf sie Spitze trieb. Szenen einer Ehe kommen mit allenfalls fünf Worten in Form von Begrüßungen aus, selbst in relativ extremen Situationen, wovon es hier einige gibt, wird nicht gesprochen, es reichen Blicke und Gesten. Dabei beginnt alles recht harmlos bei einer Situation im Ehebett, welches immerhin noch von beiden gemeinsam genutzt wird: Der eine will lesen, der andere das Licht ausschalten und schon beginnt das Spiel, bestehend aus Action und Reaktion, was sich im Verlauf natürlich noch steigert.
Das kammerspielartige Treiben setzt nicht nur auf seine beiden großartig performenden Hauptdarsteller, sondern konzentriert sich auf die Sounduntermalung und auf einige skurrile Kameraperspektiven wie innerhalb eines Einkaufswagens, im Kühlschrank oder aus Sicht einer Person in passiver Opferstellung. Dabei entsteht einige Male etwas Situationskomik, andere Momente leben von der natürlichen Geräuschkulisse, etwa, als man nur hört, das jemand im Nebenraum ein Werkzeug benutzt.
Positiv ist ferner, dass die Handlung nur selten überzogen erscheint, obgleich sie zuweilen groteske Züge annimmt. Bohn setzt auf alltägliche Begebenheiten, die einem durchaus vertraut vorkommen, wie nervige Angewohnheiten beim Essen, Geduld gegenüber ungewöhnlichen Ritualen zu bestimmten Tageszeiten und nicht zuletzt werden spezielle Vorlieben genutzt, um sie gezielt für die eigenen Zwecke zu verwenden.
Mit 70 Minuten Laufzeit fällt der Streifen angenehm knackig aus, es entsteht zu keiner Zeit Leerlauf und obgleich die Chose nur bedingt Spannung erzeugt, versteht sie es, von A bis Z auf sehr solidem Niveau zu unterhalten, einschließlich gelungener Pointe.
So bereiten deutsche Komödien Freude.
7 von 10