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Bevor der Willis Ende des Jahres mit Eli Roths im Grunde unnötigen, theoretisch durch das beteiligte Umfeld interessanten und durch das geschaltete Marketing dann wieder abschreckenden Death Wish Remake doch ausnahmsweise noch mal im (Bahnhofs)Kino vertreten und auf der großen Leinwand anwesend und dies ihm auch zu gönnen ist, tauchen mit (dem auf weiter Flur ignorierten) Once upon a Time in Venice und dem zumindest im Vorfeld auch Beachtung findenden First Kill zweit weitere Direct to Video Arbeiten auf. Zwei Arbeiten (von mit Acts of Violence und Reprisal bspw. noch mehr kommenden) aus der Abteilung des vielgescholtenen reinen Geldverdienstes, in dem der (ehemals ruhmreiche) Name für wenig Arbeit und viel Promotion verliehen und somit der nahende Lebensabend vergüldet wird. Der 'Erfolg' dessen gibt ihm letztlich natürlich recht, sind die zumeist durch Randall Emmett und George Furla hergestellten Produktionen trotz aller Unken- und Buhrufe immer noch weltweit derartig Aufmerksamkeit und Zuspruch bei der Leih-, Streaming- und Käuferschar findend, dass sich die reichliche Entlohnung in seinen Geldbeutel für die umtriebigen Finanziers unzweifelhaft rentiert. Ein Win-Win für alle Beteiligten, wenn man denn den allgegenwärtigen Miesmacher im Publikum ignoriert, der derlei Ausverkauf seines einstigen Helden und das phone-in in allerlei Durchschnittswerken eher preiswerter und auch so ausschauender Machart doch ach so wenig goutiert und lauthals lamentiert.

First Kill selber, der Actionthriller im Hinterwäldchen, das Landei-Entführungsdrama im Survivalmodus, der Provinzkrimi im auf Anschlag gedrehten grün-orangenen Farbfilter hat neben Willis als nächste und hier dann auch entscheidende junge Kraft immerhin noch (den alsweilen verschollen geglaubten) Hayden Christensen vor und Marauders & Extraction - Regisseur Stephen C. Miller hinter der Kamera zu bieten. Ohne der beiden markanten Prominenten, zumal auch Christensen zwischenzeitlich zugunsten von Gethin Anthony in den Hintergrund tritt, wäre das gesamte Werk auch mangels größerer Actionszenen (eine Verfolgungsjagd durchs Unterholz und ein paar Schusswechsel) recht unscheinbar und Lückenfüller im Nischenprogramm, wobei Regisseur Miller selber in Sachen B-Picture als besserer Fernsehfilm wegen seiner vorhandenen Fähigkeit der Inszenierung von (oftmals durch Gewalt intensiven, verstörend ausgekosteten) Momenten durchaus in Auge zu fassen und bald eventuell sowieso auf dem Wege zu Größeren angelangt ist. [Miller dreht gerade Escape Plan 2 - Hades und ist wohl auch für den Abschluss einer dann zur Trilogie gewachsenen Filmreihe gesetzt]:

Da sein 11jähriger Sohn Danny [ Ty Shelton ] in der Schule von einem stärkeren Mitschüler permanent ins Visier genommen und verprügelt wird, und der Job selber ihm sowieso nur wenig Zeit und Muße für ein gutes Vatersein zulässt, beschließt der beruflich erfolgreiche, nur extrem eingespannte William Beeman [ Hayden Christensen ]. nach einer weiteren Tracht Schläge, gemeinsam mit der ebenso in ihrer Tätigkeit als Krankenschwester eingebundenen Ehefrau Laura [ Megan Leonard ], für mehrere Tage nach Hause zu Dottie [ Deb G. Girdler ], der Großmutter des Jungen zu fahren. Im Gepäck anbei ist das Gewehr von Williams früh durch einen Unfall verstorbenen Vater, der ihm damit beizeiten die Jagd auf Wildtiere beigebracht hat und was dieser nun wiederum an seinen Sohn weitergeben will. Doch schon beim Eintreffen in das kleine Städtchen, in dem die Nacht zuvor auch noch ein Bankraub geschehen ist, warnt ihn der lokale Sheriff Marvin Howell [ Bruce Willis ] vor dem freilaufenden Verbrecher Levi Barrett [ Gethin Anthony ] welcher ihnen dann auch prompt in die Arme und dies auf der Flucht vor den ihn verfolgenden schießwütigen Deputies läuft.  

Dass die Location hier Kleinstädtchen Granville, Licking County, Ohio, also 6000 Einwohner Provinznest und inmitten von Amerika, und damit Wald- und Wiesenszenario mit einigen Holzhäusern am Rande ist, kommt dem Budget zugute, und dass Miller sich als fixer, ballastfreier Handwerker und erfahren im Umgang mit wenig Kleingeld und wenig Drehzeit versteht – siehe auch Arsenal, welcher ebenso wie hier in zwei Wochen heruntergekurbelt wurde – , erfreut die emsig sparenden Produzenten gleich mit. Beginnend mit einem Verbrechen selber (dem Banküberfall) und dann über weitere kleinere Vergehen, Ordnungswidrigkeiten und allgemeine Untaten (die Prügel durch einen älteren Mitschüler bis hin zum Mobbing) wird sich alsbald zum ersten Schwerverletzten und dem anschließend folgenden Toten gehangelt. Eine zunehmende Spirale der Gewalt bei den Hillbillies, die nichts ahnend bereits lange zurückliegend in der Vergangenheit angefangen hat, und mit Willis als örtlichen Sheriff sowohl den Vertreter des Gesetzes mit Marke, Dienstwaffe und in hellbraun-grauer Uniform findet, als ihn auch als Warnung und Prophezeiung von drohenden Unheil ("I'll only ask you for one favor. I want you to keep your eyes open, okay?") dastehen lässt. Eine vergleichsweise präzise Figur mit entsprechender Funktion, was seinen weiterhin eher wenigen Auftritten im Film, ursächlich durch die sowieso rudimentäre Drehzeit immerhin geeignetes Gewicht und auch Aufmerksamkeit verleiht, und den meisten anderen Personen um ihn herum nicht unbedingt zugestattet ist.

Etwas schwierig gestaltet sich beispielsweise die Zeichnung der Kleinfamilie Vater, Mutter, Kind bzw. der eigentliche Grund für den Ausritt aus der Stadt hinaus in den Wald und die frühere Kindheit des Hauptdarstellers zurück. Statt das Mobbing innerhalb der gewohnten Umgebung mit den Beteiligten im Gespräch zu klären, wird über den Jagdausflug eine verquere 'Mann-Werdung' probiert, die zwar zum Titel des Filmes passt und natürlich auch am Ende seine entsprechende Storywendung und damit eine Art Katharsis und rückwirkend Sinn bzw. Einsicht erhält, aber nicht nur der (pazifistischen, im Krankenhaus tätigen) Mutter eher übel, sondern auch dem sondern auch dem zwischenzeitlichen Ersatz-Vater/Geiselnehmer Levi recht mit Fragezeichen und gleichzeitig amüsierend aufstößt und insgesamt eine eher merkwürdige und 'maskulin' überhöhte Variante der elterlichen Erziehung, eventuell 'typisch amerikanisch' allerdings ist.

Die Verteidigung der jungen Kleinfamilie gegen die üblen Einflüsse da draußen, das Bewahren der Werte auch in der Umgebung der Rednecks, der Kampf Stadt gegen Provinz, Clinton gegen Trump, und durch Arbeit schwer verdientes gegen durch illegale Machenschaften erbeutetes Geld wird hier recht mit dem Holzhammer in Form von barbarischen Klischees und Schablonen, aber durchaus der Dramaturgie entsprechend der guten alten Videothekenära dargereicht. Überraschend wirksam sind allerdings die personellen Konstellationen, in der gleich mehrere (Zieh-, Stief-, Schwieger)Vater - Sohn - Möglichkeiten und dies auch auf mehreren Zeitebenen angedacht werden und dort auch allesamt ordentlich gespielt sind.

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