Review

Herrlicher in Japan spielender Film!

Als großer Sympatisant der japanischen Kultur genieße ich es mir entweder direkt Filme aus japanischen Landen anzusehen oder solche, die mit dem Land repsektvoll umgehen und Land, Leute und Kultur ausreichend würdigen.
Tokio Story ist so ein Film. Immer wieder bekommt man Häppchen der japanischen Kultur und Mentalität zu kosten.
Die Story selbst ist spannend erzählt (wenngleich der Plot selbst nicht besonders innovativ ist) und die Geschwindigkeit des Films ist trotz vieler Details hoch.
Gerade die weibliche Hauptrolle Yoshiko Yamagushi weiß dann auch besonders zu gefallen. So wohl optisch als auch von der Ausstrahlung. SIe fungiert während des Films als Mittlerin zwischen dem westlichen Zuschauer und der japanischen Kultur.
Ebenfalls zu gefallen wissen die teils ausgefallenen Drehorte: sei es nun ein japanisches Badehaus, eine japanische Villa oder eine Art Markt auf den Dächern der Stadt.

Die männlichen Darsteller haben bei mir nicht diesen bleibenden Eindruck hinterlassen. Der japanische Chefpolizist wird solide verkörpert und Robert Ryan gibt einen durchaus angsteinflößenden Bandenchef (dessen Motivik aber teils im dunkeln bleibt bzw. Raum für Interpretation lässt. Teilweise flackerten hier geradezu homoerotische Züge zwischen den Rollen der Hauptdarstellern auf. Die Zuneigung des Bandenchefs, der den Neuen immer wieder als Freund betitelt, ihm Sonderrechte einräumt, sich sogar um sein LIebesleben sorgt und ihn sogar persönlich rettet, lässt sich fast nur so erklären. Ein weiblicher Part fehlt auch an der Seite des Bandenchefs, was diese These noch untermauert). Enttäuscht wurde ich ausgerechnet von der männlichen Hauptrolle des guten Parts. Dieser spielt am Anfang noch ganz gut und mimt den geheimnisvollen Fremden zufriedenstellend; später will allerdings kein Charisma mehr aufkommen.
Hier krankt der Film etwas, weil der Aufstieg des Neulings in der Gangsterhierachie nicht nachvollziehbar gezeichnet wird. Der Neue bringt nichts mit außer eine Liste an Vorstrafen und ein wenig glückliches Händchen. Warum der Bandenchef sich von Anfang an ihn als Günstling auswählt bleibt unklar- zu Mal der Funke weder zwischen den Charakteren noch zum Zuschauer hin überspringen will. So bleibt eigentlich nur das bereits homoerotische Motiv, um sich den Aufstieg des Neulings zu erklären.

Aber auch beim Drehbuch gibt es die ein oder andere Schwäche. Warum zeigt man immer wieder offensichtlich die Verlinkung des Neuen zur Polizei? Kein guter Agent würde sich in der Öffentlichkeit selbst enttarnen. Auch der Coup im Perlenladen ergibt für mich keinen rechten Sinn. Der Bandenchef geht hier unnötig kompliziert vor und stellt sich selbst ein Bein. Hat man dies nur für die Dramaturgie in Kauf genommen? Dem scheint mir nicht so. Beides hätte eleganter gelöst werden können.

Das sind im Großen und Ganzen aber auch schon die Schwächen.
Unterm Strich bleiben aber jede Menge Stärken und ein wirklich bomben Film, den ich jedem Japan-Freund und Fan von Gangsterfilmen nur wärmstens ans Herz legen kann.

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