kurz angerissen*
Wir wissen alle, dass das Buddy-Movie schon seit langem in einer beispiellosen Krise steckt. Die letzten Klassiker liegen schon Dekaden zurück, die wenigen Lucky Shots der letzten zehn Jahre kann man an einer Hand abzählen. Verwundert es da noch, dass Verbrüderungen jetzt geschlossen werden müssen, indem man den Gegner als Moorhuhn-Zielscheibe benutzt, um dem Buddy gegenüber seinen Standpunkt deutlich zu machen?
Was da an Kopfschüssen und Explosionen abgesondert wird, garniert mit zynischem Gelächter, ist jedenfalls Ausdruck einer ziemlich rabiaten Verkupplungsmethode. Die Verzeiflung im Bemühen, endlich mal wieder ein "perfect match" auf die Leinwand zu schicken, führt dann auch schnell zu sichtbaren Verkrampfungen. So erinnert die Idee, Zwischenmenschliches in einen Berufskiller- und Agentenkontext zu verlegen, an Mainstream-Action-RomComs wie "Kiss & Kill" oder "Das gibt Ärger", und was bei denen herausgekommen ist, lohnt mit Sicherheit keine Nachahmung. Samuel Jackson ist eigentlich ein alter Hase in Sachen Buddy Movie, hat als Ladenbesitzer aus Harlem schon John McClane unter die Arme gegriffen und sich im Schottenrock an die Seite von Robert Carlyle gestellt. Er wirkte allerdings - auch seiner wenig wählerischen Rollenauswahl wegen - zuletzt ausgebrannt, was in diesem Subgenre tödlich sein kann. Ryan Reynolds im Umkehrschluss zehrt momentan noch von seinem "Deadpool"-Hoch und wendet im Prolog auch prompt die Dumbass-Comedy seiner erfolgreichen Comicverfilmung an, die wohl mit der Redewendung "wie ein begossener Pudel" am besten umschrieben ist.
Am Ende ist der Zuschauer aber nicht der Leidtragende, sondern Profiteur von immer deftigeren Action-Einlagen. Der Ton neigt manchmal dazu, sich der überzeichneten Comic-Action von "Kingsman" oder gar "Ein Spion und sein Bruder" anzunähern, bekommt aber gerade immer noch die Kurve, um nicht zu sehr ins Ordinäre zu verfallen. Umgekehrt wird die harmlose Blümchen-Tönung der Grundidee mit deftigen Härten umgangen. Reynolds und Jackson, die zunächst nur schwer zueinander finden, grooven sich auch irgendwann ein.
Am Ende überzeugt "Killer's Bodyguard" als Buddy-Movie nur bedingt, legt aber bei der Zusammenführung der beiden Hauptdarsteller so viel Elan an den Tag, dass immerhin ein sattes Ballervergnügen dabei herauskommt.
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