iHaveCNit: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (2018)
Billboards, bzw. Werbetafeln sind nahezu wetterbeständig, nachhaltig und von technischen Spielereien befreit. Sie können eine lange Zeit überdauern, genauso wie die Zeit, die sich Martin McDonagh lässt, seine Billboards zu beschreiben. Bisher hat er in seinem ersten Billboard „In Bruges“ einen coolen, kleinen Gangsterfilm vor der Kulisse des beschaulichen Brügge beschrieben und im zweiten Billboard „7 Psychos“ einen ideenreichen und überraschenden mehrbödigen Film geschaffen. Doch sein drittes Billboard, „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ist bisher der für mich stärkste Film, denn wie in diesem Film ergibt sich erst mit der dritten Tafel das ganze Bild.
Drei Werbetafeln sind auch das Mittel der Wahl für Mildred Hayes, ihre Tochter wurde vor 7 Monaten vergewaltigt, verbrannt und einfach am Wegesrand liegen gelassen. Doch im verschlafenen Ebbing ist die Polizei eher mit anderen Dingen wie Rassendiskriminierung beschäftigt. Deswegen legt sie sich mit der Polizei und auch der kompletten Stadt an, als sie die Tafeln mietet und eine sehr provokante Ansage an den Polizeichef Willoughby bereit hält.
Ich suche ja immer auch Geheimtipps, Arthouse-Perlen und beschäftige mich gerne mit Filmen der Award-Season, in der „Three Billboards ...“ absolut zurecht für Preise nominiert und mit Preisen ausgezeichnet wurde sowie für öffentliches Aufsehen sorgt. Denn nicht nur die Darsteller liefern hier alle bis in die Nebenrollen ihr A-Game ab, sondern Martin McDonagh ist hier im meisterlichen Maß genau die richtige Balance zwischen Tragik und Komödie gelungen. Bereits in seinen vorigen Werken ist natürlich nicht nur poetische Intelligenz als auch knallharte politische Inkorrektheit vorzufinden. Und nur McDonagh schafft es, das alles so in Einklang zu bringen, dass jeder Ton sitzt. Dass jede Wandlung oder unvorhersehbare Entscheidung der Charakter so unglaubliche Glaubwürdigkeit für ihr Handeln besitzen und jeder Charakter im Laufe des Films so eine unglaublich stimmige Tiefe bekommt. Der Film fordert die Emotionen seiner Zuschauer heraus. Lachen, Weinen, die Gefühle korrekt zu platzieren ist eine unglaubliche Herausforderung. Die Komik verkommt nie zum Selbstzweck und auch die Tragik ist nie so schwer, dass sie einen schwer im Magen bleibt nach dem Genuss des Films – selbst bei diesem in Gang gesetzten Strudel aus Gewalt und Gegengewalt. Ich verneige mich hier vor Sam Rockwell, als auch Frances McDormand, die hier so unglaublich präsent sind und mit diesem Film persönliche Meisterleistungen abliefern. Ich gönne beiden den Erfolg bei den Globes, aber auch jetzt schon sind beide Favoriten für den Goldjungen Anfang März diesen Jahres. Gerade dieser Film ist in Bezug auf mediale Wirkung, starken Frauenfiguren, dem aktuellen Selbstbildnis der USA in Zeiten von Trump genau der richtige Film zur richtigen Zeit und schon jetzt für mich ein Kandidat für den Film des Jahres 2018 !
„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ - My First Look – 10/10 Punkte.