Review

Man möchte diesen Film am liebsten uneingeschränkt mögen, die stoische Art Frances McDormands ist ebenso beneidens- wie bemitleidenswert, Sam Rockwell spielt eindrucksvoll tumb und auch die Nebenfiguren sind liebevoll charakterisiert, Carter Burwells Score ist wunderbar, die Geschichte ist zwar augenscheinlich unspektakulär, verbirgt jedoch genügend (emotionale) Schichten, um über zwei Stunden interessant zu bleiben.

Ein paar nicht gerade triviale Probleme hat der Film dennoch. So nimmt das Drehbuch im letzten Akt ein paar sehr bequeme Abkürzungen, bringt aus dem Nichts eine neue Figur ins Spiel, überlässt entscheidende Handlungsverläufe dem Zufall und lässt einen der Hauptcharaktere eine 180-Grad-Wandlung durchmachen, die man als Zuschauer nicht nachvollziehen kann.

Besonders heikel jedoch ist die moralische Ambivalenz des Films: Frances McDormands Figur wird mit all ihren Schwächen so als Sympathieträgerin gezeichnet, dass ihre Handlungen – eben auch die strafbaren, mit zum Teil schmerzhaften Konsequenzen versehenen – als Kavaliersdelikte abgetan werden und auch die Selbstjustiz als durchaus vertretbare Option dargestellt wird, so lange es nur „den richtigen“ trifft. Und das ist insbesondere im aktuellen Amerika eine sehr fragwürdige Haltung.

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