Eines haben die drei titelgebenden Plakatwände bereits bewirkt, denn sie dienen mancherorts als Vorbild öffentlicher Demonstrationen. Das ist insofern effektiv, als dass drei Botschaften mit leichtem lokalen Versatz eine Einheit bilden und mehr Wirkung als irgendwelche Protestbanner entfalten. Mit dieser starken Ausgangssituation ging Autor und Regisseur Martin McDonagh sein Werk über Wut und Reue an, dessen tiefschwarzer Humor leider oftmals nur Mittel zum Zweck ist.
Vor sieben Monaten verlor Mildred (Frances McDormand) ihre Tochter durch ein Gewaltverbrechen, doch bislang fanden Sheriff Willoughby (Woody Harrelson) und Deputy Dixon (Sam Rockwell) noch keine Spur vom Täter. Kurzum richtet sie sich via Plakatwände an die Cops, woraufhin die vermeintliche Idylle in Ebbing komplett ins Wanken gerät…
Der Stoff steigt direkt mit der Umsetzung der provokanten Idee ein, was umgehend Interesse schürt. Sogleich wird klar, dass Mildred in ihrer verbitterten Trauer keine Konfrontation scheut, denn sie sucht nach Antworten, die ihr bisher niemand geben konnte.
Der damit einhergehende Zynismus ihrer Figur offenbart sich in einer starken Szene, als Mildred auf den ortsansässigen Pastor trifft und ihm ordentlich die Meinung geigt.
Wer allerdings eine Suche nach dem Täter im Fokus vermutet, liegt hier nahezu komplett daneben. Es ist eher eine Charakterstudie über verbitterte Menschen in einer amerikanischen Kleinstadt, die das Leben teils gnadenlos zeichnete.
Wie etwa Deputy Dixon, ein Muttersöhnchen und Tollpatsch, der Schwarze foltern soll und es mit der Korrektheit seines Berufes generell nicht so genau nimmt. Oder Mildred, die von ihrem Ex geschlagen wurde und der nun mit einer Braut unterwegs ist, die ironischerweise seine Tochter sein könnte.
Während es McDonagh mit einigem Feingefühl gelingt, Grenzen zwischen Gut und Böse aufzulösen und Charakterentwicklungen zumindest teilweise glaubhaft zu machen, werden anderweitig etwas zu häufig Ventile gesucht, um kurzfristig Wut abzulassen. Da werden Leute aus dem Fenster geschmissen oder Schulkindern wird in den Unterleib getreten, so dass diese Gewalteruptionen irgendwo zwischen comichaft überzeichnet und einem bitterbösen Spiegelbild der Realität stehen und nicht immer pointiert erscheinen. Anderweitig wirkt der Stoff etwas bemüht emotional, etwa beim Verlesen von Abschiedsbriefen oder einem Flashback kurz vor der Tat.
Demgegenüber kann sich McDonagh voll und ganz auf die Mimen verlassen. McDormand ist wie geschaffen für die verbitterte Mutter, die nie lächelt, aber viel flucht und (fast) ohne Rücksicht auf Verluste einfach nur Genugtuung will. Mindestens ebenbürtig ist Stockwell, der eine ganze Reihe an Facetten präsentieren muss, um seiner Figur die nötige Glaubwürdigkeit zu verleihen. Stark ist auch die musikalische Untermalung, welche für eine gewisse atmosphärische Dichte sorgt.
Schuldgefühle, Reue, Vorurteile und Versöhnung sind einige der Themen, die der Streifen aufgreift und in einer nicht immer ganz ausgereiften Mischung aus Drama und Komödie darbietet. Grandios performt und grundsolide inszeniert, vermag der Stoff primär mit den ruhigen, emotionalen Momenten zu punkten, was allerdings häufig von etwas plakativen, schwarzhumorigen Szenen durchgekreuzt wird, wodurch Nebencharaktere oftmals nur als Stichwortgeber fungieren, um danach komplett von der Bildfläche zu verschwinden.
Insgesamt sehenswert und durchaus tiefgründig, aber nicht unbedingt spannend oder gar mitreißend.
7 von 10