Für die Meisten gibt es höchstwahrscheinlich nur genau einen einzigen Grund, ein so recht laues Lüftchen wie Inconceivable überhaupt zu registrieren, sich darüber zu informieren und dann eventuell auch konsumieren; das Argument dafür und dies die ganzen negativen Aspekte vielleicht auch übertrumpfend hört auf den Namen Nicolas Cage. Ein ehemaliger Starschauspieler, der lang ist es her die Massen in die Kinos zog und neben viel Geld auch tatsächlich Ruhm und Lobpreis der Kritiker einheimsen konnte, was nunmehr nur noch Vergangenheit und bittere Wahrheit der Gegenwart gleich mit ist. Über die Gründe dafür wurde lange genug geredet, mittlerweile scheint der Zug der 'Mittelmäßigkeit' (bestenfalls) still zustehen, wobei das vorliegende Produkt eher ungewöhnlich für den bisherigen Ausstoß an Erzeugnissen für die DTV - Materie auch und eher noch eine ganze Schiene darunter auch angelegt ist.
Neben sonst üblichen Action-Thrillern für die Erwachsenenkultur gestaltet sich die hiesige Arbeit als leiser Vertreter und zudem als Beispiel eines Genres, dass zwar ab und an auch durchaus erfolgreich im Kino vertreten ist [ No Good Deed, The Boy next Door, The Perfect Guy bspw. ], aber da schon als bemühte Rückkehr zu der datierten Welle Ende der Achtziger, Anfang der Neunzigern von diversen Psychodramen um Eifersucht, Neid, Gier, Missgunst, Stalkerei, schlichte Böswilligkeit usw. usf. angesehen wird und als vom Fernsehen auf die Leinwand verirrtes Lifetime Movie betrachtet wird. Das Grauen in der Nachbarschaft, auch in der Familie, auf der Arbeit oder sonstwie im alltäglichen Leben, wo der Protagonist von jetzt auf gleich und scheinbar ohne eigenes Zutun in eine Gefahr läuft, die ihn und sein gesamtes Umfeld bedroht und wo von einem Tag auf den anderen nichts mehr so wie noch zuvor in der Routine ist:
Das Arzt-Ehepaar Brian [ Nicolas Cage ] und Angela [ Gina Gershon ] könnten eigentlich glücklich miteinander und ihrer kleinen Tochter sein, haben allerdings immer wieder Fehlgeburten bei dem Versuch zu vermelden, ihrer Familie weiteren Nachwuchs zu verschaffen. Angela selber fühlt sich wegen dieser tragischen Ereignisse auch noch mehr angegriffen und depressiv als ihr Mann und ist deswegen auch in Behandlung und Medikation. Als die junge Mutter Katie [ Nicky Whelan ] mit ihrer Tochter durch die Angelas Freundin Linda [ Natalie Eva Marie ] dem Ehepaar vorgestellt wird und sowohl als Leihmutter als auch als Unterstützung im Haushalt in das Gätsehaus aufgenommen wird, ahnen die beiden noch nicht, welches Spiel Linda tatsächlich treibt, und hören auch auf die Warnungen von Brians Mutter Donna [ Faye Dunaway ] nicht.
Cage hat so was auch schon gedreht, nämlich zur gleichen beschriebenen Zeit, und dessen damaliges Werk Zandalee nicht umsonst heute auch vergessen und so ignoriert meist ist. Auch die hiesige Autorin, Tochter von Zalman King, hat sich mit der Prämisse beschäftigt, wobei deren offizieller Poison Ivy - Nachfolger Duplicate durchaus (dem Videothekengänger & Privatfernsehenschauer) ein Begriff und wenn dies auch nur und zu Recht wegen vielerlei schwüler Nackt- und Sexszenen von Alyssa Milano sein wird. Gesucht und gefunden also, was die optimale Voraussetzung und theoretisch ein Heißa und Hoppsa im eher freudlos verabreichten Marketing ist.
Im Gegensatz zu vielen anderen (nicht allen) prominenten Beispielen aus dieser Gattung Film, in denen sich später der Nachbarn, der Untermieter, der Angestellte, der Freund und Helfer als Übel entpuppt, weiß der Zuschauer hier schon von Beginn an, wie der Hase läuft und das man sich den Feind sprichwörtlich in das eigene Haus (und eventuell das eigene Bett) auch holt. Die Eröffnungsszene, zu der später als traumatische Erinnerung auch öfters wieder geschnitten wird, gibt die Tonart bereits an und kann so auch mit folgenden Bildern keine Idylle mehr vortäuschen, aufgrund dessen, dass unter der scheinbar tadellosen Oberfläche das Gift bereits gesät, die Brut des Bösen implementiert und tatsächlich wissentlich nur eine Fassade und mit der Protagonistin im Film auch überdeutlich ein falscher Fuffziger, eine theoretisch niemand täuschende Fake-Personalie vorhanden ist.
Doch auch bei den unmittelbar Beteiligten der Kleinfamilie ist nicht alles Wahrheit, nicht alles Friede, Freude, Sonnenschein, tauchen schnell Risse unter der Haut und in der Seele auf, wird das anfänglich kurz angedachte Bild der Heilen Welt (riesiges Grundstück plus entsprechend ausgedehntes Anwesen in bester vorstädtischer Lage, Berufswahl Arzt-Ehepaar mit dicken finanziellen Polster, erstes gesundes Kind) mit mehreren tragischen Zwischenfällen gerissen und geschreddert und ist das Ziel des friedlichen familiären Beisammenseins hier weit entfernt. Getreu des Genres entspinnt sich bald ein Privatgefecht, ein Zickenkrieg, in dem die ältere und "inkomplette" Frau mit der jüngeren, sexuell wagemutigen und scheinbar jederzeit trächtigen, geradezu gebärfreudigen Nebenbuhlerin vergebens konkurriert. Gelüste und andere Begierden aus der Abart des Softsexthrillers, zu dem die oben genannten Vertretern Zandalee und Duplicate bspw. gehören, sind im übrigen (bis auf einen Spannerblick beim nächtlichen Poolgang und beim gleichgeschlechtlichen Schäferstündchen am helllichten Tag) außen vor, da es hier nicht um den Gewinn und die 'Besteigung' des anderen Körpers, sondern um die Hoheit des eigenen Leibes und der Frucht darin geht. Das Duell zweiter Muttertiere, in dem der Mann schon getreu seiner eingeschränkten Funktion weitgehend außen vor ist; zumal er sowieso nicht mitreden kann und man ihn beim Thema im Grunde auch gar nicht mehr benötigt.
Ein Kampf um Besitz und Eigentum, ein Missbrauch von Beziehungen und Emotionen, die bis hin zur Nötigung, Erpressung, Geiselnahme, Körperverletzung und einer recht misslungenen Auflösung des Ganzen gesteigert werden, und das Ganze trotz sicherlich guter Absichten bis dato auch eher gestelzt gespielt und irgendwie theatralisch und aseptisch dargereicht wird.