Review

Architektur des Lebens, des Menschen, des Kinos

„Columbus“ ist schon fünf Jahre alt und war damals das Regiedebüt des Künstlers Kogonada. Und es ist mir ein Fragezeichen, warum über ihn und diese elegante und vor allem architektonisch unfassbar starke Tragikkomödie nicht mehr Leute sprechen. Vielleicht ändert sich das ja nun mit seinem neuesten, starbesetzten „After Yang“, der dieses Jahr u.a. auf dem Fantasy Filmfest und auf Sky läuft, wohl allein wegen seinem Namen höhere Wellen schlagen könnte. Doch allzu viel wird (und muss) er von seinem extrem ruhigen, statischen und bildhübschen Stil auch dort nicht abweichen… Im unendlich in sich ruhenden und selbstbewussten „Columbus“ befreundet sich ein Mann bei seinem Besuch in der titelgebenden US-Stadt (auf Grund dem dortigen Tod seines Vaters) mit einer jungen Frau an, wodurch sich die beiden (mit ziemlich unterschiedlichen Problemen) öffnen und annähern… Mehr nicht. That's it. Das reicht. Und wie.


Präzision zum Quadrat 


Filmische Schönheit muss nicht dick auftragen. Eine Geschichte muss nicht groß auftrumpfen, abdriften und Kurven schlagen. Schauspieler müssen nicht überdrehen und immer den nächsten oscarwürdigen Monolog und Augenblick im Kopf haben. Es muss nicht immer NYC, Chicago oder L.A. sein. Es müssen nicht immer die großen Namen sein. Dramen müssen nicht immer eskalieren und können sich durchaus im Inneren verlaufen, klären, befrieden. Symmetrie muss man nicht an die große Glocke hängen (looking at you, Wes Anderson). Architektur ist etwas alles anderes als Langweiliges. John Cho braucht mehr ernste Rollen. Kogonada sollte man im Auge behalten (z.B. wie gesagt mit „After Yang“ dieses Jahr, aber auch darüber hinaus und auch abseits des Mediums Film). Kunst muss nicht selbstverliebt sein. Understatement zieht noch immer. Aufmerksamkeit wird belohnt. Mit nachvollziehbaren und sympathischen Charakteren verbringt man gerne Zeit, das bleibt Wiederspielwert Nummer 1 für mich. Sogar an einem Ort, den manche wohl vor diesem Film „A der Welt“ genannt hätten. Seelenverwandte gibt es. Hollywoodindies gibt’s und können's noch. Jedes Bild tauglich für die Wand. Die kleinen Momente des Lebens und Gesten der Menschen zählen. Eine filmische Kunstausstellung - und dennoch sehr nah an der (idealisierten) Realität. Fotografisches Gedächtnis. Es gibt in Deutschland noch immer einige Perlen nicht für's Heimkino bzw. die eigene Filmsammlung. Methodisch, nicht modisch. Einer der menschlichsten und hübschesten Filme des vergangenen Jahrzehnts - den kaum einer kennt. „Columbus“ zeigt all das beeindruckend! 


Fazit: Einer der simpelsten und (visuell) schönsten Filme der 2010er - eleganter und humaner kommen Kinogeheimtipps nicht! 

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