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Hier wird ein wahres Feuerwerk an verrückten Ideen und originellen Gags gezündet: Auf der Suche nach Arbeit landet ein Puppenspieler (John Cusack) in der siebeneinhalbten Etage eines Bürogebäudes. Nicht nur, dass ihn die hier arbeitenden Menschen irritieren, nach einer Weile entdeckt er zufällig eine Tür, durch die er in den Kopf des Schauspielers John Malkovich gelangt. Seine Kollegin, in die er sich hoffnungslos verliebt hat, schlachtet diese Entdeckung gnadenlos finanziell aus - ein Schritt mit fatalen Folgen.


Freunde irrwitzigen Humors und verrückter Gags werden bei dieser Groteske voll auf ihre Kosten kommen. Lächerliche Figuren, seltsame Schauplätze und das wohl durchgeknallteste Skript der letzten Jahre sorgen für eine Menge Spaß.

Doch das allein ist nicht alles. Was den Film erst so besonders macht, ist die Feinsinnigkeit, mit der er die Balance zwischen Spaß und Ernst hält. So beherbergt die Entdeckung der Tür grundsatzphilosophische Möglichkeiten, die natürlich nur angedeutet werden können - vielleicht etwas zu wenig. Doch viel wichtiger ist die Figurencharakterisierung, die ausgezeichnet gelingt: Allen voran John Cusack und Cameron Diaz (die Mut zu einer Rolle zeigt, die ihrem üblichen Sonnenschein-Image direkt entgegengesetzt ist) überzeugen in durchaus düsteren Passagen des Films durch ihr intensives Spiel, das die Ärmlichkeit, Orientierungslosigkeit und die Angst ihrer Figuren zum Vorschein bringt. Dadurch heben sie die Geschichte ihrer Rollen mitunter auf das Niveau eines Symbols für die Geschichte des durchschnittlichen Menschen von der Straße, der im Moloch der Großstadt, in den dunklen Tiefen der modernen Zivilisation seinen Platz verloren hat und ihn nicht wieder findet. Jemand anderes zu sein - und wenn es nur für fünfzehn Minuten ist - ist so verlockend, dass es zu Sucht, Aggression und dem Verlust jeglicher Moral führen kann und hier auch führt. Diese fesselnde Psychoanalyse ist das stärkste Plus des Films.

Was nicht heißen soll, dass das herrlich selbstironische Spiel John Malkovichs keine Beachtung verdiene. Oder dass die Gags unpassend oder fehl am Platze wirken. Und nicht zuletzt mündet das wilde und bizarre Finale in eine derart bitterböse Auflösung, dass von der locker-leichten, etwas verrückten Stimmung des Films nichts mehr übrig bleibt. Dieser Mix aus Spaß und Ernst macht "Being John Malkovich" zu einem Erlebnis, wie man es heutzutage nicht sehr oft sieht.

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