Review

Der Softsexfilm ist eine hervorragende Erfindung: die chronisch Verklemmten unter uns haben endlich ein adäquates Onanieventil, der Spießer immer noch was zum Aufregen und der retroorientierte Filmfreak was zu lachen. Und zu schauen. Besonders, wenn Zartcorepapst Sascha Hehn vor der Linse abschmalzen darf ist der Tag gerettet und das anspruchsloser aller Filmgenres beweist mal wieder seine Daseinsberechtigung als semiknuspriges Spritzgebäck beim Sonntagstee. In dem Kontext dürfte ich die hehn'sche Sauspielkunst in "Melody in Love" übrigens kennen lernen, Filmfestival und so.

Dort verbannt Hotelmanager Alain seinen Lehrerkumpel Octavio erst mal in den Urlaub, als zeitgleich die unschuldige und an Männern gänzlich uninteressierte Melody auf Alains Heimatinsel Mauritius eintrifft. Dort steht ein Urlaub bei Cousine Rachel an, die die Unschuld vom Lande unter ihre Fickttiche nimmt und sie Lover für Lover an die Freuden der körperlichen Lust heran zu führen versucht. Vergebens, wie es scheint, bis Alain sich auf einen Briefflirt Rachels telefonisch bei der Stroh Witwe meldet, deren Gatte wiederrum ein Tauchkumpel Octavios ist. 

Das bringt die Schoßsuppe der jungen Dame so richtig zum Kochen und der Rest des Filmes besteht dementsprechend aus Geflirte und Geschnacksel zwischen den beiden Ferienliebenden. 

Okay, zwischendurch suchen die Schülerinnen von Alains Kumpel ihren Schnuckellehrer und es gibt Impressionen auf Octavios Tauchtrip mit Sexbeilage, wirre Unterwaserkämpfe gegen Seegetier zu Trautoniumsmusik und zwischendurch nochmal hervorragende brand'schen Flapps (der Begriff "Buttermilchscheich" ist jetzt schon mein Schimpfwort des Jahres!), aber da sich die Stränge kaum bis gar nicht überschneiden fällt das nicht weiter ins Gewicht.

Wofür wir eigentlich da sind ist klar: Alain und seine Melody. Die wälzen sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit durch die nicht vorhandenen Laken, bevor das sexueller Grand Finale dann bei einem Vulkanausbruch erfolgt, da Lebensgefahr scheinbar ein Aphrodisiakum höherer Vergnügensordnung ist: während sich im Hintergrund die Lava in zähen Strömen durch die Landschaft frisst drängen sich die Konturen der Liebenden immer wieder ins Bild, bis der Akt vollzogen und die Lava erkältet ist. Sergeij Eisenstein selbst hätte sich keine bessere Bildmetapher für den gemeinsamen Orgasmus ausdenken können, wenn er Lack gesoffen hätte. Definitiv Lack gesoffen hat der Komponist der Ohrenkrebs - Kitschparade aus den Dieter Thomas Heck'schen Schlagerfegefeuer. Weichzeichnerpop vom aller unfeinsten! 

Am Ende ist Melody also von ihrer anfänglichen Befangenheit gegenüber der Liebe kuriert und das, obwohl sie in 2 Tagen den Heimweg antritt und ihren Alain wahrscheinlich so schnell nicht mehr wiedersehen wird. Aber sie ist geistig gereift, was man daran merkt, dass sie als gerade einmal selbst vor zwei Tagen frisch geknackte Jungfrau dem schüchternen kleinen Spanner von nebenan am Ende großkotzig praktischen Sexualunterricht erteilt, als hätte sie die Weisheit mit Löffeln gefressen. Naja, für irgendwas muss die ziellos Halbbeziehung mit Alain ja gut gewesen sein. 

Paarung vollzogen, Film zu Ende. Auch der Zuschauer kann nun beruhigt den Sack zu machen. Oder besser den Reißverschluss. Insgesamt hätte "Melody in Love" wohl besser "Melody in Heat" geheißen, allein, um dem hitzigen Sommerwetter auf der Insel gerecht zu werden und bietet außer schönen Natur - und Nacktaufnahmen nicht allzu viel, bleibt aber ein herrliches Vergnügen für Schmierenthusiasten, Dauerurlauber und jene, die der Sekte des Sascha Hehn - Fanclubs beitreten wollen. 

Leider eines, dass von diversen VHS-Veröffentlichungen und einer Super 8 - Variante keine Heimkinoauswertung erfahren hat und daher seltener ist als deutsche Touristen ohne Tennissocken in den Badelatschen. Belangliser Schmarren ist immer noch das beste Training für Herz, Zwerchfell und Lenden und allein deshalb sollte sich ein fündiges Label der Wiederveröffentlichung dieses Pseudopornos für Weichspülwichser widmen und einem hardcoregeschädigten Publikum die Freuden der Dezenz neuvermitteln. Melody Abgang auf den m Vulkan hat mir jedenfalls einen Mordsspaß gemacht und das ganz ohne Hand in der Hose!

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