Baahubali 2 ist die Fortsetzung des 2 Jahre vorher veröffentlichten Fantasy-Historien-Spektakels Baahubali 1 und setzt genau da an, wo der erste Teil aufhörte. Das liegt einfach daran, dass beide zusammen eigentlich ein Film sind und eine Kinospielzeit von über 5 Stunden einfach der Tod für jegliche kommerzielle Auswertung wäre. Etwas zur Story von Baahubali 2 zu erzählen ist daher eine äußerst delikate Angelegenheit, da es sich prinzipiell anbietet, die beiden Filme direkt nacheinander zu schauen. Zum Zeitpunkt dieser Rezension ist dies im deutschsprachigen Raum leider nicht möglich. Hoffentlich ändert sich dies aber bald, da der Film einfach eine Granate ist.
Ohne jetzt daher großartig auf die Story im Film einzugehen, dennoch ein kurzes Umreissen der Handlung: Es geht um Liebe, Verrat, Herrschaft, Erbe, Gerechtigkeit, Popularität, Gehorsam, Treue und das natürlich in einer extrem überhöhten fiebrigen Inszenierung, die ihresgleichen sucht. Das Problem für geneigten Zuschauer ist, wenn man lediglich die Trailer schaut, dass dies eher abschreckend wirken dürfte, da der Trailer voraussetzt, dass man Teil 1 kennt und daher in die Vollen geht. Der nichtkennende Zuschauer wird dann regelrecht erschlagen.
Baahubali 2 macht nicht den Fehler, seine weiblichen Figuren schwach dastehen zu lassen, etwas was Teil 1 ganz eklatant vorgeworfen wurde, und er macht insofern alles richtig, als dass er seine Story, die zum Höhepunkt hinführt sehr detailverliebt präsentiert, so dass die Fallhöhe der Figuren sehr deutlich wird.Die Inszenierung der Bilder und Arrangierung der wie schon im ersten Teil vorhandenen ikonischen Szenen ist über jeden Zweifel erhaben, und genau wie zur Kritik zum ersten Teil, kann man nicht umhin, den Vergleich zu Zack Snyder zu bemühen. Und genau wie beim ersten Teil muss man fast sagen, dass Snyder hier vor allem bzgl. Actionchoreographie, Spannungserzeugung und Auflösung des Spektakels von seinem südindischen Regiekollegen noch deutlich lernen kann. Es ist einfach eine optische Wucht ohnegleichen, was einem hier aufgetrumpft wird, irgendwo zwischen der Drahtseilästhetik der chinesischen Produktionen wie der traumhaften Chinese Ghost-Story Trilogie, traumwandlerischer Tarsem Singh at his best und Zack Snyder at his Premium, das alles gepaart mit traditionell südindischem Pathos und überlebensgroßen Figuren allerorts, verquirlt in einen Showdown, der in so einem aberwitzigen Tempo und unglaublicher Wucht mehrere Actionhandlungsstränge virtuos verbindet, dass einem beim Zuschauen die Augen immer größer werden.
Und das ist dann auch das einzig nennenswerte Problem des Films, was aber angesichts der Opulenz und Wucht prinzipiell komplett vernachlässigbar ist: Er nimmt sich massig Zeit für die Etablierung des finalen Konflikts, nur um dann einen extrem aberwitzigen Showdown abzuliefern, dass einem die Spucke komplett wegbleibt und dann völlig abrupt zu enden. Die Romanze aus Teil 1 wird komplett ignoriert und es wird für die fast 6 Std. Laufzeit nicht mal ein 3-minütiger Epilog nachgereicht, was die üppige Laufzeit nicht im Entferntesten gestört hätte.Fast wirkt es so, dass die negative Kritik auf die Romanze im ersten Teil dazu geführt hat, dass der Regisseur diesen Aspekt komplett rausgeschnitten hat. Wie gesagt, das ist Meckern auf höchstem Niveau bei diesem Koloss von Film, aber das ist im Prinzip der Grund, warum dem Film die volle Punktzahl verwehrt wird. Und wie gesagt, man muss den Film direkt mit dem Vorgänger schauen, da es im Grunde genommen ein Film ist.
Wenn möglich sollte man sich die indischen Fassungen beider Filme besorgen, da in den internationalen Versionen massig Handlungsstränge und damit Laufzeit wegrationalisiert wurden.Wenn es also in der Tat darum geht, was die qualitativ höchstwertigen Blockbuster der letzten Jahre waren, dann kommt man nicht umhin Baahubali mit in den Topf zu schmeissen.
9 Punkte