Das Kolonieschiff Covenant bahnt sich gerade seinen mehrjährigen Weg durch die Tiefen des Weltalls, als es aufgrund einiger Schäden aufgehalten wird. Der Androide Walter, gespielt von Michael Fassbender, und die aus dem Hyperschlaf geweckte Crew machen sich an die Reparaturarbeiten und fangen dabei einen Funkspruch von einem nahe gelegenen Planeten ab. Da dieser, ebenso wie das immer noch weit entfernte Ziel der Reise, der Erde nicht unähnlich ist, beschließen die Crew-Mitglieder kurzerhand, ihn zu erforschen und womöglich zu besiedeln. Eine Expedition wird gestartet. Deren Mitglieder treffen jedoch nicht nur auf blutrünstige Außerirdische, sie finden die Überreste der Prometheus und den letzten Verbliebenen der zehn Jahre zurückliegenden Mission: Den Androiden David, ebenfalls von Michael Fassbender gespielt.
Ridley Scott, der sich bereits 1979 mit „Alien“ und wenig später mit „Blade Runner“ unsterblich gemacht hat, der auch in den darauffolgenden Jahren Meisterwerke wie „Gladiator“, „American Gangster“ oder zuletzt „Der Marsianer“ schuf, wird 2017 80 Jahre alt. Vielleicht ist es diesem fortgeschrittenen Alter der Regielegende geschuldet, dass er sich bei seinem lang ersehnten „Alien“-Prequel „Prometheus“ vor wenigen Jahren nicht damit zufrieden gab, sein Horror-Geschöpf die Crew eines weiteren Raumschiffs dezimieren zu lassen, sondern sich mit sehr tiefgründigen Fragen beschäftigte: Wo kommen wir her? Wer oder was hat uns erschaffen? Das war zwar über weite Strecken interessant und spannend - jedenfalls bis klar wurde, dass Scotts Sinnsuche zu keinerlei befriedigenden Antworten führen würde - kam bei der Fangemeinde aber nicht allzu gut an. Also wurde die geplante Fortsetzung von „Prometheus 2“ in „Alien: Convenant“ umgetauft - und es werden auch wieder Crewmitglieder von diversem Weltraumgetier, auch dem berühmten Alien, gemeuchelt. Das allerdings hat man in vielen vorherigen „Alien“-Filmen und zuletzt auch in „Life“ schon überzeugender gesehen.
Da es sich - die „Alien vs. Predator“-Filme nicht miteingerechnet - bereits um den sechsten Film der Reihe handelt, ist vieles sehr vorhersehbar. Man sieht zu, wie die Crew mehr oder weniger spontan auf einen unbekannten Planeten fliegt und blindlings in ihr Verderben rennt. Das ist zwar im Mittelteil, wenn sich die ersten Menschen mit den extraterrestrischen Sporen infizieren, durchaus spannend, verliert dann aber zunehmend an Tempo. Was am fremden Planeten zunächst beeindruckt, das sind die kühlen und gewaltigen Naturaufnahmen, die Scott in beeindruckende Bilder bannt, wenngleich „Alien: Convenant“ nicht die Bildgewalt von „Prometheus“ erreicht. Scott dreht in dieser Phase, unmittelbar nach der Landung auf dem fremden Planeten, an der Temposchraube, beginnt die Crew zu dezimieren, woraufhin sein Film in den folgenden Szenen aber zunehmend erlahmt. Das liegt zum einen daran, dass die Besatzung des Raumschiffes nicht an Profil gewinnt und dass es keinerlei emotionalen Bezug zu den austauschbaren menschlichen Gesichtern gibt, zum anderen daran, dass Scott das Tempo verschleppt.
Denn Scott scheint sich allein für seine beiden Androiden zu interessieren, den kreativen Daniel, der unter einem Schöpferkomplex leidet und die lange Einsamkeit produktiv genutzt hat und den pflichtbewussten Walter, der in erster Linie seine menschlichen Begleiter zu beschützen versucht. In der Folge gibt es zwar einige interessante Gespräche zwischen den Androiden, die dann doch ein paar Ansätze aus „Prometheus“ wieder aufgreifen, aber auch viel Leerlauf, über den auch der starke Michael Fassbender nicht hinwegtrösten kann. Unterbrochen von einigen mittelharten Splatter-Szenen, einigen durchaus sehenswerten, aber auch eher lieblos wirkenden Action-Szenen, mit denen wohl das Pflichtprogramm erfüllt werden sollte, sehnt sich der geschwätzige Film so seinem Ende entgegen, ohne dass die Atmosphäre oder die Spannung der Vorgängerfilme erreicht würden. Immerhin erklärt Scott - und das in durchaus logischer Anknüpfung an „Prometheus“ - die Vorgeschichte des titelgebenden Aliens.
Fazit:
„Alien: Covenant“ ist die geschwätzige und kühle Fortsetzung des weitaus gelungeneren „Prometheus“, bei der nur selten echte Spannung aufkommt. Ridley Scott fokussiert sich zu sehr auf die beiden von Michael Fassbender verkörperten Androiden, vernachlässigt die menschlichen Akteure und inszeniert die Action- sowie Splatter-Szenen wie liebloses Pflichtprogramm. Das kann man getrost vom gesamten Film behaupten.
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