Review
von Alex Kiensch
Und wieder geht es für den Sportwagen Lightning McQueen auf die Strecke: Im dritten Kinofilm der erfolgreichen Pixar-Reihe muss er sich mit einer neuen Generation von Rennwagen messen, die ihn leistungsmäßig locker einzusacken scheinen. Wohl oder übel muss er sich der Tatsache stellen, dass auch er nicht jünger wird und hin und wieder neue Wege gehen sollte.
Mit "Cars 3" kehrt die Filmreihe nach dem Agenten-Ausflug im zweiten Teil wieder zu ihren Wurzeln zurück: Reinrassiger Rennsport und die emotionale Suche nach dem richtigen Platz im Leben stehen im Zentrum der Geschichte. Mit der flotten Rennauto-Trainerin Cruz betritt eine neue zentrale Nebenfigur die Bühne, während alte Bekannte wie Hook und die skurrile Anwohnerschaft des Wüstenkaffs Radiator Springs für angenehme Nostalgie sorgen.
Technisch ist "Cars 3" ganz weit vorn im aktuellen Feld: Enorm realitätsnahe Animationen sorgen für beeindruckende visuelle Effekte. Blitzendes Chrom, flüssige Bewegungen und Verschiebungen der Karosserien und ausgefeilte Auto-Mimik zeigen das volle Können der Animatoren. Hier gehört der Film, wie auch nicht anders zu erwarten bei Pixar, zur absoluten Weltspitze.
Auch die Inszenierung fällt wieder eloquenter aus als im zweiten Teil. Die Kamera bleibt etwas zurückhaltender, erzeugt aber auch ohne hektische Schnittgewitter ein hohes Tempo, bei dem keine Minute Langeweile aufkommt. Das liegt vor allem an den rasanten Rennsequenzen, dem dynamischen Mix aus Musikeinlagen, Dialogszenen und Actionpassagen und natürlich der zielstrebig aufeinander aufbauenden Story. Auch gibt es ordentlich zu lachen, auch wenn anzumerken ist, dass auch hier die Gagdichte geringer bleibt als bei vielen anderen Pixar-Hits. Dennoch: Ein chaotisches Demolition-Derby im Schlamm, flotte Sprüche, witzige Nebenfiguren und zahlreiche Anspielungen und Wortspiele sorgen für gute Unterhaltung.
Etwas schwächer fällt der Film in inhaltlicher Sicht aus. Zwar entwickelt sich die Story rasant und schickt ihre Hauptprotagonisten in schnell aufeinander folgenden Sequenzen in neue Abenteuer, aber der tiefere Kern der Handlung bleibt etwas schwammig. Die verschiedenen angesprochenen Problemfelder - schmerzhafter Generationenwechsel, Kraft versus Klugheit, Außenseitertum und der Glaube an sich selbst - werden in beliebig wirkender Folge angerissen und immer wieder von neuen Themen verdrängt. So bleibt es auch lange nicht ganz klar, wohin sich der Film entwickeln will. Dafür ist das Finale dann wieder arg vorhersehbar, mitsamt besiegten Bösewichtern und strahlenden Underdog-Helden. Über dieses Manko hinaus verliert "Cars 3" auch mitunter seine Hauptzielgruppe aus den Augen: In manchen Szenen wird mit technischen Fachbegriffen um sich geworfen, die kleinere Zuschauer definitiv überfordern müssen.
Nichtsdestotrotz ist auch der dritte Teil der Auto-Reihe ein vergnüglicher Familienspaß, der mit Humor, starken visuellen Einfällen und rasanter Action zu unterhalten weiß. Und der vor allem ein wunderbar abgerundetes Ende bietet, das einen gelungenen Trilogie-Abschluss darstellen kann.