Kevin Spacey spielt einen Angestellten, der sich nach Jahren der Unterdrückung endlich von seinen Zwängen befreit. Er schmeißt seinen Job hin und versucht eine Affäre mit der besten Freundin seiner Tochter zu beginnen. Bei seiner Frau Anette Bening stößt er natürlich auf erbitterten Widerstand, genauso wie bei seinem konservativen Nachbarn Chris Cooper, der glaubt, dass Spacey eine Affäre mit dessen Sohn hat.
Die Story ist brilliant. Spaceys Figur ist hervorragend gezeichnet. Sein langsamer Weg zur Freiheit, zur Befreiung von den Zwängen der Gesellschaft ist herausragend und perfekt dargestellt und wird mit Tiefe behandelt. Die übrigen Charaktere entsprechen leicht überzeichneten Vorstadt-Bewohnern, durch die der Film den "American Way of Life" mit sarkastischem Blick portraitieren kann. Der Film beschränkt sich dabei auf die wichtigsten Figuren und deren Beziehungen zueinander, verliert dabei aber nie den Plot, nämlich die Entwicklung Spaceys aus den Augen. Die Wendungen kommen zum Großteil überraschend und können Spannung und Dramatik im Film gleichermaßen steigern. Die Dialoge sind perfekt, sie sind viel sagend, teilweise emotional und tiefgründig, teilweise sarkastisch und bissig. "American Beauty" ist einer der wenigen Filme, die im Zuschauer über die 2 Stunden Laufzeit die verschiedensten Gefühle erregen können. Der Sarkasmus ist hervorragend und bissig und zieht, wenn auch sehr subtil das amerikanische Vorstadtleben durch den Kakao und ist dabei überraschend ehrlich und für amerikanische Verhältnisse sehr radikal. Außerdem verzichtet man auf die typischen Hollywood-Klischees, indem man auch die Nebenfiguren mit emotionaler Tiefe versieht. Das Geniale an der Story ist die Vielschichtigkeit, die jedem Zuschauer einige Interpretationsmöglichkeiten über das Gesehene hinaus bietet.
Eine noch so geniale Story bringt bekanntermaßen nichts, wenn nicht auch der Unterhaltungswert stimmt, doch auch dies ist bei diesem rundum gelungenen Streifen der Fall. Bereits in der ersten Szene berichtet Spacey post mortem, dass er sterben wird. Der Zuschauer, dem Spacey mit der Zeit immer näher ans Herz rückt, betrachtet den Film also von Anfang an aus einer wesentlich emotionaleren und dramatischeren Perspektive. Der Mittelteil kann durch Sarkasmus, Ironie, Humor, Dramatik, Spannung und Erotik bestens unterhalten. Obwohl der Film die ganze Zeit über lustig und amüsant ist, bleibt er immer ernst und dramatisch, sodass er auch Spannung aufbauen kann. Zum Finale hin spitzt sich die Lage um Spacey immer weiter zu und Mendes beschleunigt das Erzähltempo, wodurch der Film richtig spannend wird. Das Finale ist hervorragend und emotional und beendet den Film mit einem Knall. Durch das schockierende Finale hinterlässt der Film einen bleibenden Eindruck im Zuschauer und gibt einige Anstöße zum Nachdenken. Der Unterhaltungswert ist hoch und der Film ist bissig, lustig, tragisch, emotional, spannend und einfach magisch.
Regisseur Sam Mendes startet seine Karriere mit einem Knall. Mendes, der vor "American Beauty" nicht einen Film in Szene setzte, leistet überraschend gute Arbeit und beweist sein enormes Talent. Die Filmmusik setzt er perfekt in Szene, sie ist die meiste Zeit über ruhig, getragen und teilweise melancholisch, wodurch sie hervorragend zum Film passt. Auch mit der Kulisse portraitiert Mendes das amerikanische Vorstadtleben perfekt. Die wenigen Gags dosiert er hervorragend, sodass der Film zu keinem Zeitpunkt in eine Komödie ausartet. Er gestaltet den Film die ganze Zeit über sarkastisch bis ins Mark und beweist auch hier viel Fingerspitzengefühl. Mendes dosiert auch die wenigen erotischen Momente hervorragend und bewahrt so den optischen Reiz des Films ohne, dass dieser billig wirkt. Mendes setzt seine hervorragende Besetzung überragend in Szene. Den Oscar für die beste Regie hat er sich also redlich verdient.
Kevin Spacey spielt hervorragend. Spacey besteht den schauspielerischen Kraftakt, den er in diesem Film vollbringen muss perfekt. Er ist die ganze Zeit über amüsant und sarkastisch und sorgt somit für einige Lacher und lustige Momente, aber dennoch kann er die ganze Zeit über einen gewissen Ernst wahren, sodass er auch spannende und dramatische Momente liefern kann. Gerade in einem Film wie "American Beauty", der viele Gefühle liefert, braucht man einen solch hervorragenden Darsteller, der es schafft, die Gefühle möglichst echt auf die Leinwand zu bringen. Für diese überragende Leistung hat er sich nach "Die üblichen Verdächtigen" seinen zweiten Oscar definitiv verdient. Thora Birch (Spaceys Tochter) und Mena Suvari (Birchs Freundin) können hervorragende Arbeit leisten, obwohl sie vorher kaum Erfahrung sammeln konnten. Außerdem geizen die beiden nicht mir ihren Reizen. Anette Bening spielt die Rolle als Spaceys Frau ebenfalls hervorragend und wurde zu Recht für den Oscar nominiert. Chris Cooper, der für die Rolle des harten und kauzigen Colonels gerade zu prädestiniert ist, leistet ebenfalls überragende Arbeit. Auch der Cast ist perfekt.
Fazit:
"American Beauty" wurde zu Recht mit Oscars überschüttet und gilt zu Recht als einer der besten Filme aller Zeiten. Mit seiner brillianten Story portraitiert der Film mit einem sarkastischen Blick das amerikanische Vorstadtleben und den "American Way of Life". Er bietet hervorragende Unterhaltung, er ist lustig, traurig, bissig und dramatisch. Das brilliante Werk kann darüber hinaus durch die perfekte und stilsichere Umsetzung von Sam Mendes und den hervorragenden Cast, allen voran Kevin Spacey, beeindrucken. "American Beauty" ist ein zeitloses Meisterwerk und für jeden Zuschauer ein Muss.