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Der 42-jährige Lester Burnham (Kevin Spacey) bezeichnet sein Leben als die Hölle. Dies war nicht immer so. Früher war seine Beziehung mit seiner Frau Carolyn (Annette Bening) lebendig und erfüllend und auch mit seiner Tochter Jane (Thora Birch) pflegte er ein freundschaftliches Verhältnis. Durch den Karrierewahn seiner Frau und die eingetretende Pubertät seiner Tochter findet er allerdings keinen Zugang mehr zu beiden. Und auch sein eigener Job erfüllt ihn nicht mehr.
Aber ständige Veränderungen im Leben bringen auch vergessene Eigenschaften und Wünsche wieder zu Tage. Als der autoritäre Militarist Col. Frank Fitts (Chris Cooper) und sein introvertierter Sohn Ricky (Wes Bentley) in die Nachbarschaft ziehen, entsteht zwischen Jane und Ricky eine Romanze. Lester lernt Jane's Schulfreundin Angela (Mena Suvari) kennen und verliebt sich auf den ersten Blick in sie. Um attraktiver auf sie zu wirken, beginnt er zu trainieren während seine Frau eine Affäre mit dem konkurrierenden Imobilienmakler Buddy Kane (Peter Gallagher) beginnt.
Regisseur Sam Mendes ("Road to Perdition", "James Bond 007 - Skyfall") gelingt mit seinem Erstlingswerk ein außergewöhnlicher Film. "American Beauty" zeigt ähnlich wie in "Fight Club" das ganze Elend einer mittelständigen konsum- und karrieregesteuerten Gesellschaft. Im Gegensatz zu "Fight Club" lässt der hierige Film die radikalen Züge aus und konzentriert sich gänzlich auf ein Nachbarschaftsdrama eingebettet im alltäglichen Leben und wunderbar überspitzten Situationen.
Die Handlung wirkt zu Beginn nicht außergewöhnlich, auch wenn der nahende Tod des Protagonisten schon am Anfang in einem Monolog angesprochen wird. Erst mit der Zeit bekommen die Einblicke in das Leben von Lester Burnham einen tieferen Sinn. Mit viel Feingefühl wird die Geschichte immer weiter ausgebaut, neue Figuren kommen hinzu, leichte Wendungen überraschen. Leider verpasst es "American Beauty" dabei ein Zeitgefühl herzustellen. So kommt der letzte Tag in Lester Burnham's Leben unerwartet plötzlich.
Das Zusammenspiel der vielfältigen Charaktere funktioniert hervorragend. Interaktion wird groß geschrieben und somit entstehen zahlreiche Verhältnisse und Konflikte. "American Beauty" spielt mit mit seinem festgelegten Rahmen und lässt daraus verrückte Situationen entstehen, die trotz ihrer Eigenartigkeit selten den Boden unter den Füßen verlieren.
Obwohl die Figuren Züge von Klischees an sich haben, werden diese spätestens im durchdachten Finale verworfen.
Ein weiterer relevanter Aspekt des Films sind die vielen Seitenhiebe auf die Gesellschaft. Themen wie der Stellenwert der Karriere, das Erwachsenwerden und eigene Entscheidungen treffen, die Unterdrückung der eigenen Person sowie unerforschte eigene Bedürfnisse werden durch überspitzte Situationen leicht verdaulich präsentiert.
Die vielfältigen Charaktere werden durch enorm spielfreudige Schauspieler treffend dargestellt. Kevin Spacey ("State of Mind", "21", "Superman Returns") brilliert als Sympathie- und Leitfigur im gesamten Film.
Annette Bening ("Open Range - Weites Land"), Thora Birch ("Train", "Dungeons & Dragons"), Wes Bentley ("Ghost Rider", "Jonah Hex"), Mena Suvari ("American Pie"-Reihe) sowie Chris Cooper ("Adaption.", "The Town - Stadt ohne Gnade") können es nicht mit Spacey's facettenreicher Performance aufnehmen, spielen ihre Rollen aber harmonisch passend.
Neben der hinreißenden Story über die verklemmte und verlogene Gesellschaft der amerikanischen Mittelschicht, welche mit ihren satirischen Untertönen und den offensichtlichen Seitenhieben auf das amerikanische Vorstadtleben genüsslich parodiert wird, glänzt "American Beauty" vor allen Dingen durch seine perfekte Inszenierung, die mit surrealen Bildern und der harmonischen Musik wunderbar sympathisiert. Dass der Film dabei niemals ins Lächerliche abdriftet und eine gesunde Mischung aus funktionierendem lakonischen Humor und Drama-Elementen präsentiert, spricht ebenso für ihn, wie auch die spielfreudigen Darsteller.
9 / 10