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Als im südschwedischen Hafen von Landskrona ein U-Boot von einer geheimen Mission zurückkehrt, geraten die Dinge plötzlich außer Kontrolle: kurz vor dem Anlegen bekommt jemand an Bord eine Phiole mit einer geheimnisvollen blauen Flüssigkeit in die Finger, die er gar nicht haben soll. Beim anschließenden Kampf zerbricht dieselbe und setzt damit ein Virus frei - die oberste Führung des schwedischen Militärs, die dies mitbekommt, beschließt daher, zur Sicherheit einen bestimmten Plan durchzuführen - die titelgebende Operation Ragnarök.
Dies bedeutet, das Areal um die Stadt hermetisch abzuriegeln und alle, die sich in dieser Zone befinden, mittels Bombenabwürfen zu liquidieren. Als das U-Boot anlegt und dabei ein Wehr rammt, ahnen einige Leute am Hafen bereits, daß da etwas nicht in Ordnung ist - und kaum öffnet sich das Turmluk, entsteigt diesem (im Off!) eine Horde rasender Zombies, die Jagd auf alle Bewohner macht. Da sich das Virus durch die Luft schnell verbreitet, sind in kürzester Zeit die allermeisten Bewohner infiziert. Währenddessen errichten Soldaten Absperrungen und bauen ihre MGs auf - es soll ja keiner entkommen.
Zu den wenigen Nicht-Infizierten gehören Nils, seine Schwester Angelica, ein älterer Mann, der sich zum Befehlshaber über die Verbliebenen aufschwingt sowie ein weiterer Schwede - mit ihrem Wagen können sie gerade noch einer Horde Zombies entkommen und sich in einer Zitadelle genannten burgartigen Anlage verschanzen. Die ist aber auch gleichzeitig das Ziel einer Familie von Migranten, die ebenfalls den Zombies entkommen und dort Schutz suchen will. Zunächst verbarrikadiert man sich gemeinsam, dann brechen Nils und der Migrant Hamid zum U-Boot auf, wo sie des Rätsels Lösung vermuten - und tatsächlich entdecken sie dort einen sprechenden Koffer mit dem Virus und einer kompletten "Betriebsanleitung" dafür. Doch kaum sind sie damit zurück, kommt es zu tödlichen Konflikten zwischen den Schweden und den Migranten...

Was sich in dieser Einleitung schon nicht besonders spannend liest, ist in Wirklichkeit noch viel schlimmer anzusehen: die schwedische Produktion Operation Ragnarök ist filmdramaturgisch, schnitt- und besetzungstechnisch derart mißlungen, daß es wirklich einen eisernen Durchhaltewillen braucht, um sich diese 89 Minuten bis zum Ende zu geben.

Wohl selten hat man ein schlechteres Drehbuch erlebt: weder werden die Charaktäre vernünftig eingeführt, noch ist auch nur ein einziger darunter, der irgendwelche Sympathiewerte verbuchen könnte. Die Regie baut ihre völlig verquaste Geschichte auf zwei Grundthematiken auf: zum einen das der Geheimhaltung unterliegende Zombie-Virus, dessen Ausbruch vertuscht werden soll, wofür einige tausend Leute (tatsächlich sind es kaum mehr als knapp 30 Komparsen, die da auf einmal zu sehen sind) dran glauben müssen, zum anderen das belastete Verhältnis zwischen einheimischen Schweden und zugewanderten arabischen Migranten. Beides wird in wirren und unzusammenhängenden Sequenzen bunt durcheinandergemischt, sodaß sich bald niemand mehr auskennt. Erst in der zweiten Filmhälfte wird die eigentliche Intention des Films, nämlich daß Schweden und Migranten gegen die drohende Gefahr (zunächst der Zombies, dann des Militärs) zusammenhalten sollten, deutlich - doch da ist es längst zu spät, denn zwei Kampfjets sind längst im Anflug, das Militär nimmt die Zivilisten ins Visier und schätzungsweise die Hälfte der Zuseher hat diesen filmischen Krampf, dem Netflix nicht einmal eine deutsche Synchro spendiert hat, längst abgedreht.

Operation Ragnarök ist dabei beileibe kein schmalbrüstiges Amateurfilmchen, versagt jedoch in Punkto Aufbau und Dramatik auf ganzer Linie: nicht nur die Darsteller, deren Schicksal einem herzlich egal sein kann, können nicht überzeugen, sondern auch die wirren Nebenplots gehen völlig unter.
So ist z.B. Nils ist kein Rassist, hat jedoch am Morgen dieses Tages einen ermordeten Freund beerdigt und schwört Rache, die Täter vermutet er in Migrantenkreisen und tatsächlich trifft er in der Zitadelle dann den mutmaßlichen Mörder, während seine Schwester, eine blonde Vorstadtschönheit, eine verheimlichte Liaison mit einem der Migranten hat, die ihr sehr böse Kommentare der anderen Einheimischen eintragen, bis dann ein offen rassistisch daherschwätzender Schwede das Feuer eröffnet, die Gegenpartei aber zurückschießt. Dramaturgisch komplett fürn Hugo, denn kurz davor hatten Nils und Hamid (der Lover seiner Schwester) in waghalsiger Mission den selbsterklärenden sprechenden Koffer im U-Boot gefunden. Leider schaffen sie es nicht, diese wichtige Nachricht den anderen mitzuteilen, die sich stattdessen lieber selbst dezimieren - wtf?

Geradezu witzig in diesem ansonsten völlig humorlosen Streifen ist jener sprechende Koffer: Wenn man ihn öffnet, ertönt eine Betriebsanleitung des Virus auf Englisch (echt superpraktisch!). Die hört man gleich mehrfach im Film (die Wirkung besteht übrigens darin, daß man auf fremde Menschen extrem aggressiv reagiert und diese sogleich bekämpft, einem vertraute Personen jedoch weiterhin normal behandelt, die Wirkung läßt dann nach 24 Stunden nach - wtf??) und stellt verwundert fest, daß die sich daraus ergebende Konsequenz (nämlich: das Militär hat eine - nebenbei völlig unrealistische - Waffe entwickelt, die sich dummerweise verselbständigt hat und versucht nun, den Skandal zu vertuschen) von allen anwesenden Zuhörern im Film sofort verstanden wird. Dies schließt übrigens auch die (zum Teil nachträglich digital bearbeiteten) Zombies mit ein, die ihre wehrtechnischen Skills behalten (wie einige Polizisten, die auf die Gruppe in der Zitadelle schießen) und am Ende selbst die Waffen niederlegen. Kann man diesen storytechnischen Schwachsinn irgendwie ernst nehmen?

Untermalt von hochdramatischer Filmmusik, wackeligen Handkamera-Bilder der Zombiehorde und immer wieder (denselben wenigen) Soldaten, die in Rambo-Manier ihre Magazine leerschießen, schleppt sich das merkwürdige Geschehen dann Richtung Finale. Da die militärische stock footage einigermaßen unauffällig eingebaut wurde und es produktionstechnisch schlechtere Filme gibt, soll mit 2 Gnadenpunkten ein gewisses, allerdings sehr dünnes Unterscheidungsmerkmal zu Totalreinfällen dargestellt werden. Operation Ragnarök ist jedoch nicht einmal Hardcore-Zombiefreunden zu empfehlen.

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