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Kleine Verbrechen, große Fragezeichen

"Small Crimes" ist ein blasser Krimi über einen Alkoholiker, Killer und Lebensversager, der frisch aus dem Gefägnis entlassen wird. Nach Jahren in Gefangenschaft kommt er nicht weg von der Kriminalität, seiner mysteriösen Vergangenheit und zwielichtigen Gestalten... "Small Crimes" ist ein passables Wirrwarr, in dem man recht zügig den Überblick verliert, an dem man jedoch trotzdem dran bleibt. Etliche Namen, Verbindungen, Exposition und Geheimnisse werden einem in möchtegern-coolen Dialogen dargeboten, um sich dann in einem endlich loslassenden Finale zu entladen. Leider hat man zu diesem Zeitpunkt schon fast abgeschaltet. Im Kopf oder gar ganz den TV. Dabei stimmen Atmosphäre, Darsteller oder auch die in seinen besten Zeiten erreichte Spannung - doch die Summe der Teile ergibt leider kein befriedigendes Ergebnis. Es wird noch nichtmal das Interesse geweckt, nochmal den Play-Knopf zu drücken um das Chaos beim zweiten Durchlauf besser entwirren zu können. Bei mir zumindest.

"Small Crimes" ist mir immer noch zehnmal lieber als die fünfte Netflix-Adam Sandler-Kollabo. Ein düsterer Mix aus "Breaking Bad", "Leaving Las Vegas" und "The Big Kill". Leider geht die Rechnung nur in Teilen auf. Der Spaß, für den der Regisseur mit seinem Erstling "Cheap Thrills" noch hoffnungsvoll stand, ist nun nicht nur abhanden gekommen, sondern durch eine Verwirr-Taktik ersetzt worden, die nervt und unnötig auf die Folter spannt. Das Finale und die Auflösung entschädigen kaum, sondern lassen das ganze vorherige Getue nur noch unnötig entschleunigter und aufgeblasener wirken. Immerhin ist Nikolaj "Königsmörder" Coster-Waldau charismatisch und vollkommen engagiert. Und in Nebenrollen glänzen schön undurchsichtig und durchgeknallt Indie-Darlings wie Pat Healy und Macon Blair, die man immer gerne sieht. Es entfaltet sich eine Zeitlupen-Story über Kriminalität, Vergangenheit, Schuld und Buße. Und dem Teufelskreis aus all dem. Nur schade, dass einen sowohl die Beteilgten wie das eigentlich Geschehen vollkommen kalt lässt. Eine verworrenes Morallabyrinth - eiskalt, unübersichtlich und spannungsarm.

Fazit: ein grauer, einsilbiger Neo-Noir, der sich trotz kurzer Laufzeit zieht wie eine lebenslange Haftstrafe. Etliche offene Fragen, unnötige Namen, labyrinthische Wege, langatmige Plot-Konstruktionen - und dabei hätte eigentlich alles so einfach sein können. Wäre gerne der moderne "The Big Kill", ist jedoch schneller vergessen als man Netflix Exclusive sagen kann. Für Crime-Fans mit Hang zu Gehemnissen trotzdem ein zahmer Tipp.

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