Für viele gehören Mord und Totschlag zum Büroalltag. Zumindest sinnbildlich. Das „Belko-Experiment“ hat bereits vorgemacht, wie so mancher Wunschgedanke in die Realität umgesetzt werden könnte, nicht ganz so todernst gehen Autor Matias Caruso und Regisseur Joe Lynch die Thematik an.
Eigentlich bekleidet Derek (Steven Yeun) einen soliden Posten in einem Wirtschaftsberatungsunternehmen, doch durch eine Intrige wird er fristlos gekündigt. Gerade soll er vor die Tür gesetzt werden, als sich das Red-Eye-Virus im Bürokomplex ausbreitet, welches kurz darauf unter Quarantäne steht. Das Virus bewirkt ungehemmte Handlungen in Sachen Wut, Aggression und Lust, wobei gesetzeswidrige Vergehen nicht geahndet werden.
Bis das Gegenmittel wirkt, bleiben Derek und der Anwältin Melanie (Samara Weaving) acht Stunden Zeit, sich bis in die Chefetage durchzuboxen…
Die Mischung aus „The Purge“ und „Quarantäne“ benötigt eine Weile, um Fahrt aufzunehmen. Bis dahin werden einige zynische Spitzen verteilt, die nicht nur den Büroalltag (persönliche Kaffeetasse verschwindet, Kollege wird mit pikanten Fotos unter Druck gesetzt) aufs Korn nehmen, sondern sich auf augenzwinkernde Weise den typischen Hierarchien widmen.
Nach einer kurzen Exposition über die Auswirkungen des Virus geht es mit Einsatz der Action teils recht beherzt zur Sache, wobei die Symptome und Verhaltensauffälligkeiten arg schwanken und zuweilen für die jeweilige Situation zurecht gebogen werden. Einige mutieren zu rasenden Furien, andere bleiben vergleichsweise rational und ruhig, während eine gewisse Wollust offenbar nur temporär ist. Interessant sind jedoch beim allgemeinen Chaos einige Skurrilitäten, die sich im Hintergrund abspielen. Mal hat sich jemand das Gesicht mit Klebezettel verkleistert, andere schminken sich bis zur Unkenntlichkeit, geprügelt wird sich ohnehin an jeder Ecke.
Dabei ist der Härtegrad nicht unerheblich, speziell einige Faustschläge hinterlassen viele blutige Spuren, während die Nagelpistole eher selten ein Ziel findet. Alternativ kommen noch Feuerlöscher, Handkreissäge und diverse Schlaginstrumente wie Golfschläger oder Rohrzange zum Einsatz. Zwar trüben einige CGI den Spaß und nicht jede Auseinandersetzung ist durchdacht choreographiert, doch dafür, dass sich der überwiegende Teil der Handlung im Bürogebäude abspielt, ist einigermaßen Abwechslung gegeben.
Dafür sorgen auch die Hauptdarsteller, die ein sympathisches und zuweilen witziges Gespann bilden, während Steven Brand einen herrlich gelackmeierten Oberprotz abgibt.
Auch der Score treibt einigermaßen, wobei die Stilrichtung der Achtziger und frühen Neunziger mit einigen Sequenzerbeats nicht unbedingt zum Geschehen und den damit verbundenen Unterthemen passt.
Dennoch ein kurzweiliges und zuweilen schwarzhumoriges Unterfangen, bei dem in Sachen Logik nicht allzu viel hinterfragt werden sollte. Denn als Satire auf den moralischen Verfall zündet der Stoff nur bedingt, als leicht trashiges Actionvehikel ohne sonderlichen Anspruch sorgt er indes für passable Unterhaltung.
6,5 von 10