Review

Der erste Film einer insgesamt auf sechs Produkte abzielenden Vereinbarung zwischen Minds Eye Entertainment, VMI Worldwide und Bridgegate Pictures, wobei der 'Nachfolger' Humanity Bureau mit Nicolas Cage, eine Art provinzielles Equilibrium auch bereits erschienen (und der 'Dritte" Distorted, ein Cyberthriller mit John Cusack angekündigt) ist und von der Anlage her genau in die gleiche Richtung der versuchten Aufmerksamkeit des Zuschauers geht. Hier wie dort ein ehemaliger Filmstar in der Haupt- oder wichtigen Nebenrolle, Jemand mit globaler Zugkraft also, der zwar die besten Tage längst hinter sich hat, aber weltweit bekannt ist und von der ruhmreichen Vergangenheit zehrt. Dazu ein Plot, der in wenigen Sätzen verkauft werden kann und möglichst zu einem ansprechenden Genre, herüber gerettet aus der glanzvollen Videothekenära quasi gehört, wobei der zweite Humanity Bureau zur Sci Fi Action mit Botschaft und dieser hier ebenso Science fiction, nur eben mit Horroranleihen ist:

Am Labour Day nutzen die Jugendlichen Brendan [ RJ Mite ], Charlie [  Jedidiah Goodacre ], Annie [ Laura Bilgeri ], Rob [ Niko Pepaj ] und Kara [ Hannah Rose May ] die freie Zeit, um inmitten den Wäldern in einem voreingerichteten Waldhaus zu übernachten; wobei ihnen schon bei der Ankunft der mysteriöse "The Hunter" [ Wesley Snipes ] mitsamt einer Wagenladung toter Tiere unangenehm auffällt. Zusätzlich wird auch das Wetter vor Ort und laut Nachrichten überall äußerst schlecht und tauchen bald nicht nur ominöse Erscheinungen am Himmel auf, sondern auch fremdartige und monströs ausgebildete Wesen direkt vor und in der Hütte.

Für Snipes selber ist die 'Rückkehr' in die Öffentlichkeit eher kleiner angesetzt als vielleicht ehedem geplant, wird neben The Recall als bis dato zwar gut verkaufter, aber auch eher übersehener Film im Jahre 2017 auch noch der gleichso die Schiene bedienende und dafür recht ungnädig aufgenommene bis allseits verrissene Armed Response in die Distribution geschoben; jeweils ohne das groß ein Hahn danach kräht. Wie es weiter gehen soll mit dem nun auch nicht mehr ganz jungen Schauspieler, der jahrelang von der sicherlich noch vorhandenen Präsenz, aber eben auch der Körperlichkeit lebte und sich als Action-Darsteller weit oben in dem Bekanntheitsgrad auch im Kino hielt, wird sich zeigen müssen, und Aussagen dahingehend sind außer reiner Spekulation à la einer 'Karriere' wie Willis oder Cage nicht viel wert.

Verwundern bei dem vorliegenden Produkt und gerade auch dem visuell ähnlich unauffälligen, teilweise geradezu minimalistischen Humanity Bureau sind das extra gewählte Format des Barco Escape Multi-Screen, das ähnliche Effekte wie einst das Cinerama mit seinen drei Projektoren und drei Bildschirmen und damit eine Vorstufe der Virtuellen Realität darstellen soll; schon allein von der Anziehungskraft der bislang proklamierten Arbeiten aber wie mit Kanonen auf Spatzen schießen ist, angesichts dessen, dass die Filme a) (wenn überhaupt) daheim auf dem kleinen Bildschirm laufen und b) eine Kinovorführung mit entsprechender Ausstattung bei diesen Low Budget Werken die seltene Ausnahme und c) Verfolgungsjagden durch dunkles Gestrüpp (hier) bzw. versiffene Fabrikgelände (dort) jetzt sowieso nicht so aufregend sind. Dafür erinnern beide bisherige Arbeiten in erstmal durchaus angenehmer Art und Weise schon von der Prämisse her und auch der teils notgedrungen preiswerten Machart mit einfacher Handhabung und ohne viel Schnickschnack an (schlechte) B-Pictures aus der Zeit der späten Achtziger, also der Hochphase der Videothekenära und/oder an die Neunziger Jahre, die durch das Aufkommen der DVD und ihre Wachablösung der Kassette sowie zahlreicher Kabelsender erneut mehr Nachschub produzierte als überhaupt nötig war und man sich damals auch in einem Metier der konventionellen Vielfältigkeit, also eher der Quantität denn der Qualität bewegte.

Hier wie dort und jetzt wie damals spielt man mit den Klischees, und wäre die einleitende Szene noch vor dem eigentlichen Beginn der Handlung nicht exemplarisch im Weltraum bei einer schiefgehenden Reparaturmission im Orbit gesetzt, würde man sich schnell in einem Backwoodslasher mit seiner kleinpreisigen Cabin in the Woods - Erzählung und nicht wie tatsächlich Die Bestie aus dem Weltraum wähnen. Ein Trupp junger Twens, bunt gemischt und geschlechtlich mit zwei Mädels und drei Jungs nicht ganz gerecht austariert, unternimmt am Labour Day einen Ausflug in die Wildnis (der kanadischen Kleinstadt Vernon, am Okanagan-See), wo man beizeiten auf einen bedrohlichen 'Hillbilly' trifft, der nur eben nicht der übliche weiße Redneck, sondern der weiterhin gut trainierte Snipes mit leichten Bartschatten und einem gewissen Faible für Einsilbigkeit, dem Außenseiterdasein und Blutdurst noch ist. Das Hin und Her zwischen den Jugendlichen, von denen zwei ein Pärchen bereits und so außen vor sind, aber auch ein drohendes Techtelmechtel eines seit über 1 Jahr (scheinbar) liebeskranken Männles und einer sehr geduldigen jungen Frau die Dialoge beansprucht, interessiert dabei natürlich weniger; angesichts dessen und sonstiger dramaturgischer Un- und Missetaten ist das Balz- und Alphamännchengeschehen aber sparsam gehandhabt und eventuell noch ordentlich geschrieben und gespielt.

Der Aus- und Einblick auf die bald aus diversen Gründen angespannte Gruppendynamik wird mit einem zunehmend bedrohlichen Wetterbericht, sich überschlagenden Nachrichten im Fernsehen sowie in Militär- und Forschungseinrichtungen zusätzlich strapaziert; während Snipes als stiller Beobachter des Ganzen so lange untätig bleibt, bis nach all dem Chaos um die Jäger der verschollenen Galaxie und bereits den ersten Toten und Verletzten einer der Übrigen mit dem Fuß voran in seine Bärenfalle läuft und er diese wiederhaben will. Seine Rolle selbst erinnert von der Art des aufdringlichen Spiels und der Stimmungslagen dabei eher an den vor einem Vierteljahrhundert wütenden Simon Phoenix aus Demolition Man, darf er auch ein paar schlechte Oneliner ala “Stop your whining. Need some cheese with all that damn wine.“ verbalisieren, und liefert irgendwie die Erklärung für den Mumpitz; der zwar gen Ende ein paar durchaus gute organische, also handgemachte und durch die Fühlbarkeit auch eklig anmutende Effekte hat, keinen richtigen Rhythmus allerdings und eher durch seine filmische Unzulänglichkeiten eine seltsame Wirkung zwischen Fire in the Sky und Skyline bzw. dem drohenden Beyond Skyline erzielt.

Details
Ähnliche Filme