Review

kurz angerissen*

Gefühlt hat jeder Cruise-Streifen der letzten Jahre mindestens eine Sandsturm-Szene, eine Spurt-Szene oder eine Szene mit Flugzeugturbulenzen zu bieten – oder gleich alles zusammen. Da all das auch auf „Die Mumie“ zutrifft, ist es wohl nicht verwegen, zu behaupten, es handelt sich um keinen Mumie-Film, sondern einen Cruise-Film.

Dass beides nicht wirklich vereinbar ist, sah man bereits den Trailern an, die in dieser Hinsicht nicht logen und eher einen neuen „Mission: Impossible“ suggerierten als einen Universal-Monsterfilm. Von Ägyptomanie ist anders als bei Stephen Sommers' gleichnamigem 1999er-Werk, einem immer noch geltenden Vorzeigebeispiel für ein komplettes Fantasy-Abenteuer, nichts zu spüren: Hochmoderne, mit dem neuesten Stand der Technik ausgestattete Anlagen nach Marvel-Bauart bestimmen das Produktionsdesign, nicht etwa altmodische Relikte einer längst verwehten Kultur. Mit Blick auf einen möglichen Startpunkt des „Dark Universe“-Franchise – dem mindestens dritten schon nach den mittelmäßigen bis völlig missratenen „The Wolfman“ und „Dracula Untold“ - werden endlose Kompromisse eingegangen, die jeden Ansatz von Grusel und Exotik in den Wind streuen.

So ist der zweite große Darsteller neben Cruise nicht etwa eine endlose Einöde aus Sand und Sonne mit verborgenen Schätzen, Fallen und anderen Überraschungen, sondern das längst überfilmte moderne London, das auch gleich seine typischen kühlen Farben mitgebracht hat. Sofia Boutella wird indes als attraktivste Mumie der Filmgeschichte gefeiert, doch wenn man mal ehrlich ist, möchte eine Frau ihre Attraktivität vermutlich eher nicht an alten Dörrpflaumen gemessen wissen. Demzufolge ist die Mischung aus Roleplay-Chick mit Grufti-Makeup und CGI-Hungerhaken recht gewöhnungsbedürftig und fügt sich bei weitem nicht so organisch ins Gesamtbild ein wie die nun schon 18 Jahre alten Regenerationseffekte, mit denen Arnold Vosloo in die Welt der Lebenden zurückfand.

Cruise inszeniert sich selbst – ein Trugschluss wäre es wohl zu glauben, Regisseur Alex Kurtzman hätte hier die Zügel in der Hand gehabt – als verschmitzten Abenteurer der Marke Indiana Jones, doch sein augenzwinkerndes Spiel mit Heldenschemata und deren Dekonstruktion („ich dachte, es gäbe noch einen zweiten Fallschirm“) läuft irgendwie völlig am Film vorbei. Ähnlich wie Russell Crowe, der sich ein paar Minuten lang mit glühender Gesichtsakne aus dem Rechner herumplagen darf und dann auch schon wieder völlig uninteressant für die Handlung wird.

Da versucht man es lieber mit Tempo, Tempo, Tempo. Eine Unterwasserverfolgungsjagd zwischen Cruise und etlichen Kreuzritter-Mumien bildet ein kleines Highlight, ansonsten wird die übliche Ladung Pixel-Pulverstaub aufs Publikum geblasen und mit ein paar Metallschäden das passende Orchester dazu geliefert.

Langweilig ist das nicht unbedingt, aber wenn man so wenig Interesse am zugrundeliegenden Stoff hat, sollte man lieber noch einmal hinterfragen, warum man denn jetzt unbedingt auch ein „Universe“ braucht.

*weitere Informationen: siehe Profil

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