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Stimmungsschwankungen, lang anhaltende Nachdenklichkeit, ein ernsthaftes Hinterfragen der bis dato anberaumten Lebensziele: Willkommen in der Midlife-Crisis. Was im Schnitt mit Mitte Vierzig losgeht, führt oftmals zum Kauf unpassender Sportwagen, zum Wiederaufbau der Modeleisenbahn oder schlimmstenfalls zum Nachgeifern junger Hüpfer. Letztgenanntes deutet sich im Drama von Aaron Harvey an, welches die Hoffnung auf einen spannenden Thriller komplett untergräbt.

Mike (William Fichtner) lebt mit seiner Frau in einem Vorort von Kalifornien und arbeitet von Zuhause aus. Als nebenan ein junges Paar einzieht, verguckt er sich ein wenig in Jenna (Jessica McNamee) und befürchtet, dass sie von ihrem cholerischen Ehemann Scott (Michael Rosenbaum) geschlagen wird. Argwöhnisch beobachtet er sein Gegenüber…

…und beobachtet und schaut hinüber. Viel mehr ereignet sich über einen langen Zeitraum nicht. Dabei könnte man hinsichtlich des fast schon reißerischen Titels („Die Gefahr lebt nebenan“) einen Psycho-Thriller erwarten, doch weit gefehlt. Eher ist es das Portrait eines introvertierten, durchaus hilfsbereiten Mannes, dessen Ehe bestenfalls als Routine zu bezeichnen ist, während seine merkwürdigen Bewegungsabläufe die eines Autisten gleichen, obgleich derartiges nie angedeutet wird.

Zögen sich Gegensätze grundlegend an, böten Mike und Jenna ein Vorzeigepaar, wobei es verständlich ist, dass der Hobbygärtner der jungen Frau mit Rat und Tat zur Seite steht.
Aber auch diesbezüglich kommt die Angelegenheit nie so recht in Gang, während Nebenfiguren wie der angereiste Sohn oder der beste Kumpel lediglich Füllmaterial darstellen, jedoch zu keiner Zeit aktiv zum Fortschritt der ohnehin schon dünnen Handlung beitragen.

Aufgrund der geheimnisvoll anmutenden Figur von Mike erwartet man zwar irgendwann eine Eskalation oder zumindest eine maßgebliche Veränderung der Situation, doch so wirklich erwähnenswert ist bis auf die letzten fünf Minuten kaum etwas, außer dass Mikes Ehefrau im Verlauf immer unsympathischer wird. Und gerade, als die Chose eine entscheidende Wendung nehmen könnte, wird die Sache mit einem mehr oder minder offenem Ausgang beendet.

Zufrieden stellend ist so etwas natürlich nicht und es ist ausschließlich Hauptdarsteller Fichtner zu verdanken, dass die Geschichte nicht gänzlich ins Langweilige abdriftet, zumal einige Dialoge recht hölzern rüberkommen und der Score auch keinen Versuch unternimmt, Abwechslung zu generieren. Thriller-Freunde: Finger weg. Drama-Fans: Erwartet besser nicht zuviel.
Knapp
4 von 10

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