Review

Eine Collage der Kostbarkeiten

Todd Haynes Neuester hört auf den Namen "Wonderstruck" und erzählt parallel von zwei Kindern, beide taub, in zwei unterschiedlichen Epochen (20er und 70er), deren Wege recht ähnlich verlaufen und sich (wenig überraschend) letztendlich kreuzen... Ein Todd Haynes Film, der nahezu komplett untergeht? Bei Kritikern sowie Zuschauern? Von Preisverleihungen ganz zu schweigen? Und das nach "Carol"? Also entweder ihm ist da wirklich etwas ausgerutscht oder es ist eine Amazon-Produktion... oder beides. Nicht falsch verstehen, "Wonderstruck" tut viel um zauberhaft und episch zu sein, schafft dies auch phasenweise. Doch im Endeffekt bleiben mehr Leere und Fragezeichen und Enttäuschung als alles andere. Ein Film, den man meist anschmachtet, der aber nie zu einem vordringt und letztendlich vielleicht sogar substanziell fast nichts zu bieten hat...

Grandios ist die Kamera, famos der Look beider Jahrzehnte (eines in Anlehnung an Stummfilme), die zwei bezaubernden Kinderdarsteller gewinnen jedes Herz spielend und der Soundtrack ist beinahe einen Kauf wert. Gemacht ist das Stück edel und vollendet. Nur leider habe ich unter dieser glitzernden Oberfläche wenig gefunden. Oder ich bin einfach nicht tief genug getaucht. Die Geschichte plätschert so vor sich hin und staunt durch die Gegend, ohne zu Punkten zu gelangen, die sich lohnen oder die überraschen. Alles wirkt eher gestelzt und aufgesetzt als natürlich und gefühlvoll. Das ist ein Todesurteil für einen Film mit Kinderaugen. Spannung war ebenfalls ein Fremdwort. Die Auflösung ist vorhersehbar und mit viel Zucker überzogen. Ungesund viel. Und man hat immer das Gefühl, dass die Präsentation zu dick aufträgt für eine eigentlich recht intime, unspektakuläre Story. Herangehensweise und Inhalt reagieren fast allergisch aufeinander. Es ist eine Ziertorte. Gucken aber nicht essen.

Fazit: History Repeating. Ein Kabinett der Eitelkeit, sensibel und selten. Den können nur ziemlich verbitterte Menschen von Herzen hassen. Aber auch nur komplett Kitschresistente wahrhaftig lieben. Wunderschön und doch irgendwie leerer als man meint. Schade. 

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