Da habe ich den Rat meines Kollegen Leimbacher-Mario einfach ignoriert und diesen „Netflix Krimi“, der im Original merkwürdigerweise „Mystery Movie“ heißt, dann doch mal näher unter die Lupe genommen. Vielleicht hätte ich auf ihn hören sollen. Und noch etwas: Wer sich tatsächlich noch überraschen will, sollte nicht weiterlesen, da Spoilergefahr.
Inhalt:
Der übergewichtige und etwas eigenwillige Detective Gene Handsome (Jeff Garlin) steht kurz vor der Pensionierung. Allerdings kommt noch ein großer Fall auf ihn zu: Die zerstückelte Leiche einer Babysitterin (Hailee Keanna Lautenbach), die ausgerechnet die Tochter seiner neuen Nachbarin behütet, wird im Vorgarten eines bekannten Schauspielers tot aufgefunden. Zusammen mit seiner Kollegin Fleur Scozzari (Natasha Lyonne) beginnt er zu ermitteln…
Kritik:
Das Problem dieses nach Art eines Whodunit gestalteten Krimis ist schon der Anfang: Als erstes wird verraten, wer der Mörder ist. Wenn überhaupt, kann also nur noch das „Warum“ Spannung erzeugen und zum Mitraten anregen. Aber auch das funktioniert nicht. Denn auf so einen Schwachsinn kommt kein Mensch. Als ein Kollege von Handsome am Anfang des Films ähnlich obskure Mordtheorien raus haut, hätte man schon gewarnt sein müssen.
Überhaupt dreht sich die Handlung die Hälfte der Zeit nur um Dinge oder Figuren, die mit dem Fall nichts oder nur mittelbar zu tun haben. Wie seine Hündin Candy (hervorragend gespielt von Armani GreatDane) und den von seiner Chefin geschenkten Keksen.
Ich will den Autoren mal zu Gute halten, dass sie versucht haben, eine Art Parodie oder Satire zu schreiben. Nur ist das gänzlich misslungen. Das liegt vor allen Dingen am Humor, der extrem selten lustig ist. Jedenfalls für mich. Und immer an der Grenze (oder darüber) zum Fremdschämen. Sexplattitüden ohne Ende, ein wenig Fäkalhumor und ansonsten unlustige, idiotische Dialoge. Beispiel gefällig?
Handsome (zu einer Sekretärin einer Firma, die ein Buch in der Hand hält):
Kann ich mir das Buch mal für ein paar Tage ausleihen?
Sekretärin:
Dieses Buch gehört auf unseren Kaffeetisch.
Handsome:
Aber sie haben das Buch doch bereits von da weggenommen.
Sekretärin:
Das ist wahr. Aber ich lege es gleich wieder zurück. Wenn Sie das Buch mitnehmen, womit soll ich dann den Kaffeetisch schmücken?
Handsome:
Haben Sie kein zweites?
Sekretärin:
Nein. (…)
Handsome:
Dann sehen Sie es als eine gute Möglichkeit für ein neues Buch.
So zieht sich das durch den ganzen Film. Dazu nervige Figuren mit noch nervigeren Eigenschaften: Eine Chefin, die ihn einerseits runtermacht aber andererseits Kekse backt, damit er sie vögelt. Eine Kollegin, die nur ans Vögeln, vor allen Dingen mit Verdächtigen, denkt und es auch tut. Eine Nachbarin, die bei ihm auf dem Sofa einschläft, aufwacht und ihn nach seiner Meinung zu rasierten Muschis befragt. Einen Nachbarn, mit dem er sich über Hundekot streitet und dessen Frau depressiv auf der Veranda Akkordeon spielt, usw. Und was der Bus mit den Japanern soll, wissen wohl noch nicht mal die Autoren selbst. Witzig war es jedenfalls nicht.
Einzig die Figur des Handsome selbst, die ein bisschen an Kalkofe in „Der Wixxer“ erinnert, kann einigermaßen gefallen. Aber für einen annehmbaren Film müsste dann auch das Umfeld, die Handlung und der Humor stimmen. Hier ist nichts davon vorhanden. Für wen soll so ein Film bloß gedacht sein?
Möglicherweise sehe ich auch das große Ganze nicht. Aber das scheint dann anderen ähnlich zu ergehen. Positiver Lichtblick: Die musikalische Untermalung hat mir gefallen.
Fazit:
Der offensichtliche Versuch einer Krimiparodie ist komplett gescheitert. Die Handlung ist völliger Schwachsinn, der Mörder vorher bekannt, die Figuren total überzeichnet und dabei nicht lustig. Das ist für die Tonne. Wie sagte doch Detective Jerpis am Tatort: „Leck mich, ist das bescheuert“. Recht hat er.
Warum trotzdem drei Punkte? Filmmusik und Setting sind ok, die Hündin spielt klasse und ein Plattenspieler kam vor. Für einen Analog-Fan wie mich immer einen Punkt wert. Und als Fan von King of Queens freuten mich die 10 Sekunden mit Carrie…