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Ein wenig Abstand zum Business kann einem Regisseur manchmal gut tun und auch ein Jonathan Mostow, dessen „Surrogates“ bereits von 2009 ist, scheint nichts von seiner Versiertheit eingebüßt zu haben. Schade nur, dass das Drehbuch zu seinem B-Thriller einfach nicht mehr hergibt.

Schülerin Ella (Odeya Rush) geht auf ein Internat in der Schweiz und befindet sich gerade auf einer Feier, als um sie herum zwei Leute erschossen werden. Der fremde Lucas (Sam Worthington) rettet sie vor den Schützen und entpuppt sich selbst als Auftragskiller, der Ella hätte töten sollen. Nun befinden sich beide auf der Flucht…

Worthington entpuppt sich als treffende Besetzung für den Killer mit Gewissen, der sich nach einem Afghanistan-Trauma Drogen spritzt, während Ella ihn an seine Tochter erinnert, die er nie persönlich treffen konnte. So haftet seiner Figur zuweilen etwas Unberechenbares an, gleichzeitig offenbart er einen weichen Kern, der trotz weniger Worte immer wieder durchschimmert.

Die Gegenseite ist demgegenüber schwach gezeichnet, denn Auftraggeber Richard (Allen Leech) ist ein schmieriger Geschäftsmann, der zwar überall seine Schergen hat, jedoch kaum aktiv zum Geschehen beiträgt, während seine namenlosen Gehilfen in regelmäßigen Abständen auf das flüchtende Paar treffen.

Bis auf eine Autoverfolgung relativ zu Beginn reduziert sich die Action auf Schießereien und kurze Nahkampfszenen, welche nicht allzu spektakulär ausfallen, mal abgesehen von einem verwaisten Restaurant (wahrscheinlich in Ungarn), welches relativ derbe zerballert wird.
Erwähnenswerte Gewaltausbrüche bleiben aus, bis auf ein paar Einschüsse ist alles im Rahmen einer FSK16.

Das solide Handwerk mit routiniertem Score und einer treffsicheren Kamera kommt im Verlauf kaum mehr gegen die simpel und schnörkellos gehaltene Geschichte an, welche nicht nur zahlreiche Klischees, sondern auch viele Logiklücken mitbringt. Spannende Momente sind an einer Hand abzuzählen, nur die zahlreichen Schauplatzwechsel innerhalb Europas schaffen Abwechslung und sorgen zugleich für eine düstere Grundstimmung.

Neben Worthington performt auch Odeya Rush passabel, Leech nimmt man den britischen Schnösel locker ab, nur wird eben niemand richtig gefordert, da das Emotionale allenfalls an der Oberfläche kratzt. Das Finale liefert da keine Ausnahme, es bleibt vorhersehbar und arm an Höhepunkten, bis auf die letzten Einstellungen von Flamborough an der englischen Küste.

„The Hunter's Prayer“ liefert von allem etwas zu wenig: Die bodenständige Action birgt kaum Schauwerte, darstellerisch vermag niemand zu glänzen und vor allem mangelt es der Story an originellen Einfällen und überraschenden Momenten. Aufgrund vieler Schauplatzwechsel und ein wenig Tiefgang hinsichtlich der Hauptfigur noch okay, aber eben komplett austauschbar.
5 von 10

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