Aus einem Schweizer Internat in Montreux hat sich die 16-jährige US-Amerikanerin Ella Hatto (Odeya Rush) nachts gerade heimlich davongeschlichen, um mit ein paar Freunden zu feiern, als sich unangenehmer Besuch unter die Partygäste mischt und das Feuer auf die Kleine und ihren Freund eröffnet. Doch gleich einem Schutzengel ist ein weiterer Fremder anwesend, der die Jugendlichen nicht nur aus der Schußlinie bringt, sondern auch zurückballert. Während der anschließenden Panik gelingt es dem Retter, mit den beiden jungen Leuten im Auto zu fliehen - doch sie werden verfolgt und Lucas (Sam Worthington) muß all seine fahrerische Kunst aufbieten, um den Killer endgültig loszuwerden. Als das gelungen ist, will er sich zunächst alleine davonmachen, überlegt es sich angesichts einer Droh-SMS aber noch einmal anders und sammelt Ella wieder ein. Die Schülerin, die ein schwieriges Verhältnis zu ihrem Vater (einem Anwalt) hat, ahnt nicht, daß ihre ganze New Yorker Familie bereits ausgelöscht wurde und daß auch Lucas, neben den anderen Hitmen, sie eigentlich hätte liquidieren sollen. Doch der drogenabhängige Auftragskiller hatte es sich anders überlegt und flieht mit der jungen Dame im Kofferraum erst nach Frankreich und dann weiter nach Norden, stets verfolgt von weiteren Killern, die die Spur der beiden wieder aufgenommen haben. Was hat Lucas vor, und wie lange wird er dem Druck standhalten?
Bei Regisseur Jonathan Mostow mag man angesichts seiner früheren Werke (Terminator III 2003, Surrogates 2009) die Meßlatte etwas höher ansetzen, und so ist es für den einen oder anderen sicher eine Enttäuschung, daß sein 2017er The Hunter's Prayer - Die Stunde des Killers 14 Jahre nach dem ersten weiblichen Terminator nur so ein vergleichsweise bescheidener Thriller mit noch dazu überschaubarem Budget geworden ist - dennoch hat auch dieses straight durcherzählte Road-Movie, das quer durch Europa auf einen britischen Herrensitz führt, seine Qualitäten. Dabei ist es weniger ein durchdachter Plot (der führt ohne allzugroße Twists geradlinig zum erwartbaren Showdown) oder bemerkenswerte Filmcharaktäre (die fallen, besonders bei den Bösewichtern, ziemlich holzschnittartig aus) als vielmehr die abwechslungsreichen Locations, die die Verfolgten auf ihrem Weg zum Ziel passieren und bei denen immer wieder kurze Action-Einlagen für Kurzweil sorgen.
Worthington spielt hier einen wenig gesprächigen Killer mit (scheinbaren) Prinzipien, der zu seinem Schützling erst einmal Vertrauen aufbauen muß, was gar nicht so einfach ist, da sich seine Sucht ab und zu wieder meldet. Und da die Gegenseite sich als Polizeifahnder ausgibt und der unerfahrenen Ella somit folgerichtig den momentanen Standort entlocken kann, ist das nächste Killerkommando auch nicht weit, sei es in einer kleinen Gaststätte oder in einem französischen Zug (den man aus Kostengründen mal eben nach Budapest verlegt hat). Doch irgendwie schafft es 3-Tage-Bart-Lucas, ein bei den Actionszenen äußerst disziplinierter Junkie, immer wieder, die brenzligen Situationen zu meistern, bis Ella dann den kühnen Plan fasst, ihn selbst anheuern zu wollen, um den Mord an ihren Eltern zu rächen. Da sind sie bereits in Leeds, und die junge Dame entschließt sich, es dann doch auf eigene Faust zu versuchen.
Auf einige kitschige Szenen hätte man zwar gerne verzichtet (wie jene, in der der Teenager den Killer - mit heruntergelassener Hose gerade einstichbereit - überzeugt, auf die Spritze zu verzichten), auch schleichen sich zum Schluß ein paar Ungereimtheiten ein (daß der Gastgeber einer Champagner-Gesellschaft entführt wird, merken die Gäste nicht, aber als im Heizungskeller geballert wird, geraten sie in Panik, und wieso schießt der kleine Junge mit Pfeil und Bogen? wtf?), dennoch kann man dem überraschungsarmen Plot insgesamt ganz gut folgen.
Fazit: Ohne große Erwartungen weiß The Hunter's Prayer ganz leidlich zu unterhalten, wenngleich von dem Streifen auf solidem B-Movie-Niveau auch nichts groß hängenbleibt: 5,51 Punkte.