So mag man sich also „Let’s Dance 2.0“ als russische Zukunftsmusik vorstellen. Die Punktevergabe fällt weg, Juroren braucht es nicht mehr und am Ende gibt es nur einen Sieger, da alle anderen Teilnehmer pulverisiert wurden. Das ist gleichermaßen hohl wie unterhaltsam.
2070, wo einst Moskau stand: Die Erdressourcen sind nahezu erschöpft, die wenigen Überlebenden lungern in Ruinen herum, während einige Privilegierte in technisch hochmodernen Gebäuden leben und in regelmäßigen Abständen Turniere in einer Arena stattfinden lassen. Bei Duellen muss getanzt und Energie für den Erdkern erzeugt werden, es stirbt, bei wem die Energiestreifen als erstes ablaufen. Auch Kostya und Anya befinden sich unter den Teilnehmern und versuchen eine fette Verschwörung aufzudecken…
Angefangen von „Tribute von Panem“ über „Maze Runner“ und Mad Max“ bis hin zu „Divergent“ finden sich hier zahlreiche zusammengeklaute Genreversatzstücke, wobei das Tanzen an sich relativ eindimensional verläuft und beileibe nicht den Kern des Ganzen darstellt. Vielmehr geht es um Intrigen, Verschleierungen, Manipulation und Machtspielchen, was zuweilen ein wenig Drive aus dem eigentlich temporeichen Geschehen nimmt.
Die Ausstattung der Trümmerstadt kann sich indes genauso sehen lassen wie die futuristisch anmutenden Räumlichkeiten der Elitebewohner, nur werden die CGI während des Turniers aufgrund von Blitzen maßlos überstrapaziert, wogegen die Tanzbewegungen eher in Richtung Zappelei tendieren, mal abgesehen vom gelegentlichen Schweben. Cool ist allerdings der DJ und Ansager der Veranstaltung, der locker Kopf einer düsteren Gothicband sein könnte, mit pechschwarzen Klüsen, gestähltem Oberkörper, interessanten Piercings und markigen Anheizsprüchen.
So tanzt man sich von Runde zu Runde, während bei den Oberen nur gemauschelt wird, im Elendsviertel läuft alles einen oberflächlichen Gang ohne dass ein Charakter hervorgehoben würde und zum Finale droht eine Lüge aufzufliegen, während unser Heldenpaar Ungewöhnliches in der Arena bewirkt. Das wirkt häufig kitschig, oftmals klischeebeladen, manchmal unfreiwillig komisch, es gerät allerdings kaum blutig.
Schließlich dramatisiert der Score oftmals übers Ziel hinaus, Kamera und Schnitt arbeiten solide, nur die Mimen kommen kaum aus sich heraus und geben unterm Strich eher hölzerne Performances ab. Dennoch keine misslungene Dystopie, da es zuweilen temporeich, ab und an auch mal spannend zugeht, nur Eigenständigkeit sucht man hier vergebens.
6 von 10