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Regisseur James Ronald Whitney thematisiert innerfamiliären sexuellen Missbrauch aus persönlicher Perspektive. Die lose strukturierte Talking-Head-Doku inszeniert das Bild eines „bösartigen Familienpatriarchen“, der generationsübergreifend missbraucht hat. Whitney, selbst Opfer, rechnet mit seinem Großvater ab und konfrontiert ihn mit den Vorwürfen. Es ist der Versuch einer filmischen Selbstermächtigung und Anklage. Also weniger strukturelle Einordnung als moralische Gerichtsverhandlung, die das Publikum empören und auf seine Seite ziehen will. Mir war die Narration zu unfokussiert, die Überemotionalisierung durch Musikeinsatz zu sehr Reality-TV (ohne handwerkliche Skills) und die Personen mehr Funktionsträger von Argumenten, die Melvin verteufeln, als Identifikationsfiguren zum Mitfühlen, sodass ich das Filmerlebnis dürftig fand, den selbsttherapeutischen Ansatz aber zu schätzen weiß. Rewind (2019) war in allen Belangen deutlich stärker.