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Bei Werken der Produktionsschmiede Blumhouse ist bei Genrefans eine gewisse Erwartungshaltung gegeben, dass sich oftmals übersinnliche Elemente mit Familiendramen kreuzen. Zumindest das Cover von „The Keeping Hours“ lässt paranormale Begebenheiten vermuten, die hier jedoch eher eine Randerscheinung bilden.

Als Jacob (Sander Thomas) im Alter von fünf Jahren bei einem Autounfall starb, zerbrach die Ehe zwischen Mark (Lee Pace) und Elizabeth (Carrie Coon). Nun will Mark das ehemalige Eigenheim verkaufen und die letzten persönlichen Sachen aus dem Haus schaffen, als Jacob auftaucht. Völlig überwältigt vom Erscheinen seines Sohnes versucht er Elizabeth hinzuzuziehen, die zunächst abblockt. Doch dann muss auch sie feststellen, dass Jacob zwar ein Geist, doch gleichermaßen ein spielfreudiges Kind ist. Doch warum ist Jacob überhaupt zurückgekehrt?...

Eingefleischte Horrorfans und Gruselfreunde sollten sich keine falschen Hoffnungen machen: Im Vordergrund steht ein Familiendrama, dem einige Fantasy-Elemente beigemengt wurden, die lediglich im ersten Drittel ein wenig Spannung erzeugen. So kann Jacob nicht berührt werden, bei Streitigkeiten platzen auch schon mal Fenster und zuweilen scheint der Junge eine weitere Präsenz wahrzunehmen, was sich im Verlauf jedoch erledigt.

In erster Linie geht es um Trauerbewältigung, den Umgang eines Verlustes, aber auch darum, im richtigen Moment loslassen zu können. Bezeichnenderweise hinterfragen die Eltern nicht die Erscheinung Jacobs, - sie versuchen Zeit nachzuholen, Pläne von damals zu verwirklichen, wonach Mark sogar seinen Job aufgibt, während Elizabeth ein wenig zwischen die Fronten gerät, da sie nach all den Jahren eine neue Familie gegründet hat.

Entsprechend leise wird der Stoff vorgetragen, er konzentriert sich stark auf das Zusammenspiel der Figuren, was bis auf ein paar Randfiguren recht gut funktioniert. Die Chemie stimmt und zuweilen streift man durchaus die Gefilde des Sentimentalen, während der gut abgestimmte und sensibel arrangierte Score ein paar emotionale Spitzen herauskitzelt.
Leider wird das letzte Drittel etwas zu abrupt abgearbeitet, nachdem sich der Grund für Jacobs Rückkehr deutlicher herauskristallisiert, wodurch der Ausklang nicht ganz ausgereift daherkommt.

Das mit geringem Budget realisierte Familiendrama wirkt zwar wie ein solider TV-Film, er punktet jedoch mit überzeugenden Mimen. Lee Pace wandelt mit seinem Hundeblick ein wenig auf den Pfaden von Clive Owen, er bringt im Verlauf ebenso viele Nuancen ein wie seine Partnerin Carrie Coon, welche ihre Stärken eher im letzten Drittel ausspielen kann. Neuling Sander Thomas empfiehlt sich definitiv für weitere Rollen, da er recht authentisch rüberkommt und fernab eines Nervbalgs performt.

Wer es einmal etwas ruhiger und emotionaler mag und für 90 Minuten ohne Jump Scares und andere Gänsehautmomente auskommt, kann sich das Werk der Regisseurin Karen Moncrieff mal reinziehen. Aufgrund des überzeugenden Zusammenspiels der Mimen funktioniert das über weite Teile recht gut, allzu viel Ereignisreichtum sollte man jedoch nicht erwarten und auch der minimale Twist in Form der Pointe ist alles andere als neu. Für eine Sichtung an einem grauen Sonntagnachmittag aber durchaus tauglich.
6 von 10

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