Review

Von buckeliger Verwandtschaft, Neon-Nostalgie und der gelben Pest


Die ersten zwei "Despicable Me"-Filme sind wirklich süß, lustig, rundum gelungen. Obwohl sie die gelbe Krankheit und laufenden Antiwitze namens Minions auf die Welt losgelassen haben. Das will was heißen, da muss also noch eine Menge sonst sein, damit die Reihe bisher funktioniert. Den hirnzellenfressenden "Minions" lasse ich mal bewusst komplett raus. Leider ist Teil 3 und hoffentlich Abschluss der Reihe, qualitativ dem gelb-dämlichen Solofilm näher als seinen zwei direkten Vorgängern. Sehr sehr schade. Hier wird eine mögliche starke Trilogie verspielt. Und das, obwohl der Minion-Anteil zurückgeschraubt wurde und die gelben Schreihälse nur noch ein kleines, völlig von den Hauptfiguren lösgelöstes und daher super unnötiges, aber zumindest kurzes Solo-Abenteuer innerhalb des neuen Films erleben. Ansonsten trifft Gru seinen bisher ungekannten Zwillingsbruder Dru, die kleine Mädels suchen Einhörner (?) und ein neuer Superbösewicht (frisch aus den 80s) bedroht die Welt... Die Ideen waren in der Reihe auch schonmal ergiebiger. Im Endeffekt kommt ein Mix aus Samstagmorgen-Cartoon, "The Incredibles" und "Ralph Reichts" dabei raus - nur in etwas dumm, etwas unkreativer, etwas kindischer und etwas unschöner eben. 


"Despicable Me 3" hat gute Seiten, so ist es nicht. Der Bösewicht mit Schulterpolstern und Vokuhila ist sehr cool - gerade wenn man wie ich auf das Jahrzehnt von Michael Jackson und dem Rubix-Cube steht. Der Soundtrack ist wie immer bei Illumination teuer und leicht zu hören, der Look des Films ist farbenfroh und "Grucy" samt Rasselbande (nein, nicht die gelben Filmverderber!) muss man einfach liebhaben. Doch richtig gelacht habe ich kein einziges Mal. Das Kind hinter mir übrigens auch nur einmal mehr. Das sagt eigentlich schon alles. Den Kniff mit dem verschollenen Bruder greifen andere Reihen normal erst im siebten bis dreizehnten Teil auf, keine der vielen Storyansätze wirkt zu Ende gedacht & das gehetzte Tempo ist gleichzeitig Vor- wie Nachteil. Emotional werden hier etliche angeschielte Türen zugelassen und der Film spielt seinen gewohnten Stiefel sehr safe runter. Ein Welterfolg wird es auch so, doch der Wunsch nach weiteren Leinwand-Abenteuern der einst bösen Patchworkfamilie wird kaum aufkommen. Der 2D-Abspann mit Gru vs. Dru war nochmal ein sehr spätes Highlight. 2D reicht hier allgemein und die deutsche Synchro kann empfohlen werden. 


Fazit: als flott-flacher Zeitvertreib (besonders für die Kleinen) noch annehmbar, doch kein Vergleich mehr zu den zwei viel stärkeren Vorgängern. Abnutzungserscheinungen überall. Trotz weniger Minions. Trotz 80er-Nostalgiebombe. Trotz Gru und seinen bezaubernden Mädels. Bitte keinen vierten Teil. Braucht kein Mensch.

Details
Ähnliche Filme