Review

kurz angerissen*

Wenn die Fantasie verdunstet ist, wird eben der Zwillingsbruder ausgepackt. Und weil sich in „Despicable Me“ bereits mehr als genug Eierköpfe tummeln, verfügt der Neuzugang über eine Tolle wallenden, blonden Haars als Unterscheidungsmerkmal von Gru und seinen Minions.

In dieser Doppelkonstellation geht es also ein weiteres Mal auf Superverbrecherjagd, natürlich nicht ohne Frau und drei Kinder im Schlepptau. Gegner ist diesmal ein fieser Ex-Kinderstar mit Schnurrbart und Vokuhila samt einsetzendem Kahlschlag, der von Trey Parker mit hörbarem Randy-Marsh-Einschlag gesprochen wird. Als Michael Jackson und Nena hörendes Kind der 80er mit seltsamen Vorlieben für Aerobic und Pop Art liegt eine solche Figur natürlich voll im Trend, wie fast alle anderen Charaktere im Illumination-Universum muss sie auch zum tanzenden Hampelmann gemacht werden, so dass sich die Figuren stets vom Beat gestochen fortbewegen, denn nicht-tänzelnde Bewegungen sind nicht witzig genug.

Derweil man den Minions mit einem Gefängnisaufenthalt mehr oder weniger erfolgreich eine neue Nische für ihre seltsamen Marotten gefunden hat, ähnelt die Gesamtkonstellation schon immer mehr der tief gesunkenen „Ice Age“-Reihe. Die Unterschiede zwischen einem Säbelzahnhörnchen im Weltall und einem Minion im Knast sind bei genauer Betrachtung nur marginal, während Gru, über dessen Grantigkeit immer noch Witze am Fließband gemacht werden, eigentlich längst nicht mehr grantig ist – was man ebenso über Säbelzahntiger Diego oder Mammut Manny sagen könnte.

Kurzum findet eine hektische Kompensation der nach dem ersten Teil verlorenen Dynamik durch oberflächliche visuelle Gags statt, mit denen einfach nur noch die körperlichen Deformationen des mit verschobenen Proportionen spielenden Animationsstils für die Pointe sorgen sollen. Wenn aber nur noch ein Blähbauch auf Stelzenbeinen zum Lachen anregen soll, ist das schlicht und ergreifend mangelhaft.

*weitere Informationen: siehe Profil

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