Review

Dieser Álex de la Iglesia ist ja schon irgendwie ein Hund. Da dreht er hier mal eine ganz lustige, aber nicht sonderlich herausragende Horror-Komödie (El dia de la bestia), dann wieder eine ebenso nicht gerade hervorstechende schwarzhumorige Anlehnung an Polanski's Mieter (Allein unter Nachbarn) und dann das: Laut TV Movie ein menschenverachtender, ekelhafter Film. So oder so ähnlich ließ es sich zumindest damals lesen, als der Film das Licht der deutschen Lichtspielhäuser erblickte. Aber ist er das wirklich ?

Nun, auf gewisse Weise muss man natürlich der renommierten Fernsehzeitschrift recht geben (soweit man das überhaupt bei einem Kritikerensemble kann, das Filme wie Tomb Raider mit dem ROTEN Moviestar belohnt). Denn hier wird ein eigentlich absolut unsympathisches, menschenverachtendes Pärchen zu Helden hochstilisiert. Sie morden, vergewaltigen, betreiben Leichenschändung (Zum Glück nicht im sexuellen Sinne) und schmuggeln nebenbei auch noch eine Fuhre Embryos über die Grenze - für die Pharma-Industrie versteht sich (sic!). Es fällt schwer da noch etwas Positives zu erkennen. Etwas, dass den Film und seine moralisch verwerfliche Grausamkeit abmildert.

Aber da gibt es ja noch diesen zutiefst schwarzen Humor und ein Teenager-Pärchen, das zwar einiges durchmachen muss, aber am Ende, an Erfahrung reicher, heil ("Es tut uns leid, was unsere Vorfahren ihrem Volk angetan haben. Aber das ist nicht unsere Schuld !") aus der Sache rauskommt. Und da gibt es auch die romantische Verklährung der beiden Hauptdarsteller, eine Vorstellung zwischen John-Wayne-Westernmythos und Liebesroman-Romantik.

Ja, de la Iglesias versucht uns unter der rauhen, harten, unfreundlichen Fassade der beiden auch etwas Sympathie zu entlocken. Das fällt schwer, wer möchte schon die positive Seite von zwei völlig geistesgestörten Psychopathen fühlen. Nein, natürlich ist Perdita Durango kein Kino für die großen Interpretierer und Denker unter uns, sondern ein rabenschwarzes, bitterböses Roadmovie, daran will ich gar keinen Zweifel lassen. Dennoch ist er nicht so unglaublich menschenverachtend wie ihn viele darstellen. Vielmehr wird hier in extremster Form der Clash zweier Kulturen gezeigt. Zwei Kulturen, die sich nicht verstehen, nicht verstehen können und deswegen in einen krassen Gegensatz dargestellt werden. Dass dabei den beiden Gringos noch am ehesten Sympathie entgegengebracht werden kann, liegt wohl an de la Iglesias Heimatliebe.

Aber jeder sieht das ja bekanntlich anders und deswegen überlasse ich es natürlich euch, liebe Leser, selbst zu urteilen.

Zum offensichtlichen Teil des Films:

Gewalt ? Jupp, vorhanden. Viele Shootouts, einige Autounfälle, eine Leichenfledder-Szene und, ganz im Stile von The Devil Rejects, auch einen gut gemachte Überfahrungs-Szene (Autsch, warum hat man mich in der Schule überhaupt Deutsch lernen lassen).

Humor ? Durchaus vorhanden, wenn man die "Tragik des Todes" (Christian Slater "Very Bad Things") und die Verwerflichkeit der Handlungen der beiden Helden mal außer acht lässt. Allein der Running Gag, dass immer, kurz bevor die "Bösen" geschnappt werden, ein Auto dazwischen kommt (im wahrsten Sinne des Wortes), ist herrlich.

Soundtrack ? Über absolut jeden Zweifel erhaben. Wer an den OST's zu Tarantino's Filmen Gefallen gefunden hat, wird diesen hier lieben. Besonders hervorzuheben: Das zweimal genial genutzte "Spanish Flea" von Herb Alpert and the Tijuana Bras.

Optik ? Da sticht unser Regisseur deutlich hervor. Die Machart ist bestechend aufwändig, vor allem für so einen dreckigen Underground-Film. Da kann nicht mal mehr Quentin mithalten. Rasende Kamerafahrten über die Landschaften Mexikos, Flashbacks im Fünf-Minuten-Takt von Hawaii (oder was das ist) über den Golfkrieg bis hin zur Kreuzigung Jesu'. Einfach nur beeindruckend. Die CGI's sind ebenso allesamt auf recht hohem Niveau.

Schauspieler ? Machen ihre Sache außerordentlich gut und verkörpern ihre Klischees (und nichts anderes sollen sie ja darstellen) perfekt. Übrigens hupft der geniale James Gandolfini (True Romance) auch dauernd im Hintergrund herum.

Story ? Naaaaaaja, so eine richtige Story mit durchgezogenem Faden und abschließender Moral gibts eigentlich nicht, aber wer braucht das schon ?

Warum also nur 7 Punkte (sry arre) ? Erstmal liegt das an der zu langen Spieldauer. 2 Stunden sind zuviel für einen Film, der dem Zuschauer keine Möglichkeit bietet, sich mit irgendeinem der Darsteller zu identifizieren, vor allem, wenn der Film keine wirklich fesselnde Rahmenhandlung besitzt. Und dann wären dann doch noch einige geschmacklose Szenen, die mir dann doch eher sauer aufgestoßen sind.

Nichtsdestotrotz ist Perdita Durango der bisher beste Film, den ich von Iglesia gesehen habe. Einen Verriss, wie er ihn allgemein erlebt hat, hat er definitiv nicht verdient.

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