Review

Der Turm von Blamabel


Lange Zeit galt Stephen Kings massive Buchsaga „The Dark Tower“ als unverfilmbar - nach diesem 90-minütigen schlechten Witz der Woche weiß man auch warum. Selbst wenn ich mir das Buch als epische Serie mittlerweile schon vorstellen könnte und selbst wenn man diese Verfilmung eher als „inspiriert von“ als „basierend auf“ akzeptiert - eine Enttäuschung bleibt er immer. Ob man die Vorlage kennt und liebt oder nicht, ob man viel erwartet oder gar nichts, ob man sich konzentriert oder berieseln lässt - „The Dark Tower“ (2017) ist einfach kein guter Film. Und so schlecht, dass er schon wieder unterhält, ist er leider auch nur selten... Wir folgen einem geistig begabten Teenager, der per Portal in einen interdimensionalen Krieg (?) zwischen einem Gunslinger und einem dunklen Magier, zwischen Gut und Böse gerät. Was schriftlich in satten 8 Bänden ausgebreitet wird und literarisch kaum Vergleichbares kennt, wird hier dermaßen enttäuschend und lückenhaft, grobschlächtig und gehetzt zusammengestaucht, dass man seinen Augen kaum traut...

Schlechte King-Verfilmungen sind nicht rar gesät. Aber „The Dark Tower“ setzt, vor allem gemessen an seiner Vorlage, seinem Budget und dem jahrelangen Erwartungen, die Messlatte nochmal ein gutes Stück tiefer. Denn ein „Dreamcatcher“ oder „Der Rasenmähermann“ kann man immerhin noch aus Guilty Pleasures sehen - das hier tut einfach nur weh. Man versucht es nichtmal, man gibt sich einfach keine Mühe. Das ist kein Best Of, nichtmal eine Zusammenfassung und auch ganz sicher keine Hommage. Das ist peinliche, unmotivierte und unwürdige Grütze. Elba und McConaughey retten noch minimal, haben immerhin Spaß mit ihren Rollen, als Pilotepisode für eine TV-Serie wäre es vielleicht noch annehmbar und zumindest die ein oder andere Actionszene hat den Hauch von Unterhaltung, wenn auch eher aus trashig-falschen Gründen. Doch meistens kriegt man Nackenschmerzen vom vielen Kopfschütteln. Erst recht wenn einem was an der Vorlage liegt und man weiß, was hier drin gewesen wäre. Dann braut sich ein dicker Haufen Wut in einem auf, den man in einer solchen Kritik natürlich rausspuckt ohne den paar rettenden, oberflächlichen Werten allzu große Beachtung zu schenken. Dafür ist das von fast allen Beteiligten einfach zu hingerotzt und man fragt sich, was Stephen King genommen hat oder wieviel Geld ihm gezahlt wurde, um diesen Murks abzusegnen. Autsch! Setzen 5, Hollywood! 

Fazit: kein besonders hoher Turm, eher nahe am Bodensatz aller King-Verfilmungen. Ziemlich schmerzhaft, vor allem für Fans der legendären, epischen, riesigen Buchreihe. Die enthält zahlreiche Bände, tausende Seiten und auch ein paar Längen, Irrungen, Wirrungen - doch eine dortige Investition ist immer noch zehnmal sinnvoller als bei diesem seelenlosen Schnellschuss, der mit seiner Vorlage ungefähr soviel zu tun hat wie die Teletubbies mit H.P. Livecraft. Eine unfassbare, charakterlose Komprimierung und Kompromittierung. O wei! 

Details
Ähnliche Filme