Als Anmerkung vorneweg; Seht meinen Nutzernamen an, dann wisst ihr, was ich von der Buchvorlage halte...
Jake ist ein Junge, der seinen Eltern mit sonderbaren Zeichnungen auffällig wird. Er ist in psychologischer Behandlung, um seine Bilder deuten zu können. Er hat die Vorstellung, dass ein Mann in Schwarz einen Turm zerstören will, aber er hat keine Ahnung, dass dies nicht nur in seiner Vorstellung bestehen könnte. Als Jake von zwei Mitarbeitern einer Jungendbehörde abgeholt werden soll, flüchtet er das erste Mal über ein Portal eines leerstehenden Hauses nach Mittwelt, wo er auf Roland Deschain trifft, und beide zusammen begaben sich auf die Suche nach dem Mann in Schwarz, denn dieser floh durch die Wüste und der Revolvermann und Jake folgten ihm...
Wertung:
Der Film "Der Dunkle Turm" ist der Versuch die großartige Saga von Stephen King zu verfilmen. Und das ist nur sehr eingeschränkt geglückt.
Erwartet wurde der erste Teil der 7,5-teiligen Saga mit dem Titel "Schwarz" aber gleich zu Beginn findet sich die erste Enttäuschung: Der prägende Satz der gesamten Reihe ("Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste und der Revolvermann folgte ihm") taucht nicht als erstes auf, sondern findet erst nach der Einführung den Weg in die Handlung. Bereits da dürfte der Aufschrei vieler Fans des Dark Towers groß gewesen sein.
Die Geschichte wurde im Gesamten sehr frei wiedergegeben, sodass der Film wahrscheinlich immer im direkten Buchvergleich den Kürzeren ziehen wird. Idris Elba kann man zwar in die Rolle von Roland stecken, jedoch ist in keinster Weise ein Hinweis darauf, dass dieser schwarz sein könnte. Das kann, wenn man sich an die Originalvorlage hält auch im Verlauf zu Problemen führen (Stichwort: Odetta/Detta Walker; eigentlicher Hauptcharakter des 2. Teils und späterer Teil von Rolands Ka-tet).
Der Film hat aber auch gute Ansätze, denn sowohl der zwar eben von mir in ein eher schlecht gesetzte Licht Idris Elba als auch Matthew McConaughey als Walter O'Dim können überzeugen. Insbesondere letztgenannter fügt sich ziemlich gut in die Rolle des bösartigen Zauberers ein. Was wiederum gar nicht passt, sind asiatisch stämmige Seherinnen in Mittwelt, die versuchen die Zeichnungen von Jake zu deuten, Ich halte mich aber nicht mit einem Film-Buch-Vergleich auf, denn der Film wird den kürzeren ziehen. Beim "Herrn der Ringe" hat Peter Jackson ein glückliches Händchen bewiesen und sich sehr nah an der Buchvorlage orientiert, was ihm viele Preise für den Film selbst einbrachte. Hier wird sich bei einem vielleicht noch komplexeren Werk, da es zum einen länger als "Der Herr der Ringe" ist und auch noch in mindestens zwei Welten spielt, weit weniger an die Vorlage gehalten, und so wundert es nicht, dass "Der Dunkle Turm" auch weniger erfolgreich war. Vielleicht muss man aber auch so an eine Verfilmung dieses Mammutwerks herangehen, denn ansonsten ist ein Scheitern vielleicht bereits vorprogrammiert.
Die Actionszenen können mich aber unterhalten. Auch der spirituelle Aspekt ("Wer mit der Hand zielt, hat das Gesicht seines Vaters vergessen.") wird ebenfalls gut gezeigt. Die Hintergründe der Revolvermänner, was es mit Gilead, Rolands Vater und Cuthbert und Alan auf sich hat, wird nicht weiter erzählt und ist für den Film nicht von Belang. Für Fans des Dunklen Turms sind es aber gerade diese Aspekte, die für die Gesamtbetrachtung von entscheidender Bedeutung sind. Es wird zwar ein Mysterium um den Revolvermann herum gesponnen, jedoch kann (und will) dies nicht so allumfassend sein, wie es in mehreren Romanen der Fall war.
Was bleibt unterm Strich übrig: Ein Film, der zwar den Zuschauer kurzzeitig an den Bildschirm fesseln kann, bei genauerer Betrachtung der Hintergründe aber die Erwartungen eigentlich von vorneherein nicht erfüllen kann. Man versteht den Dunklen Turm auch erst dann, wenn man Kings Gesamtwert gelesen hat, und dazu gehören auch mehr als die 7,5 Bücher des Dunklen Turms (wichtig für das Gesamtverständnis wären "Es", "Friedhof der Kuscheltiere", "The Stand" und vor allem "Schlaflos", um nur einige zu nennen), denn mit der Anpreisung des Scharlachroten Königs, wie sie im Haus, in welchem Jake Mittwelt betreten wird, zu lesen ist, kann sonst keiner etwas anfangen, und dabei ist dieser Satz vielleicht der bedeutungsvollste innerhalb des gesamten Films. Der Querverweis auf das "Shining" sorgt daneben zwar im Film für ein Aha-Erlebnis, findet sich nach meiner Erinnerung aber nicht in Bezug auf Jake wieder.
In diesem Sinne, Lange Tage und angenehme Nächte. Und mögen sie Euch doppelt vergönnt sein (aber auch damit kann nur der Leser etwas anfangen).
Vielleicht gäbe es mehr Punkte, wenn man sich mehr Mühe gegeben und die Geschichte in weiteren Teilen fortgeführt hätte. Als reine Filmwertung (vollkommen losgelöst vom Buch) 06/10 Punkte, als bekennender Fan der Buchvorlage eigentlich deutlich weniger.
Darauf eine Nozz-a-la. Prost!