Review

Marys feiner Hexenservice


Nachdem das Studio Ghibli geschlossen wurde und man schon dachte, die großen Tage eines Miyazakis oder eines Takahata wären vorbei, bildet sich das Studio Ponoc mit Ex-Ghibli-Mitarbeitern und traut sich scheinbar zu, in die großen Fußstapfen zu treten. Ein mächtiges Unterfangen, dem Respekt gebührt. Schön, dass sich immerhin einer traut. Ob das Ziel bzw. die Messlatte erreicht wird, steht auf einem anderen Blatt - aber immerhin kuschen nicht alle vor dem einschüchternden Erbe und für die Maler und Filmschaffenden dort ist das natürlich auch eine tolle Entwicklung. „Mary und die Blume der Hexen“ ist nun das erste abendfüllende Werk der Ghibli-„Nachkommen“ und erzählt von einem kleinen rothaarigen Mädchen, dass im Wald an eine magische Beere/Blume gerät, die sie in eine Welt der Zauberer und Magie entführt, die viele Wunder aber auch Gefahren bereithält...

„Mary and the Witchs Flower“ würde im Ghibli-Kanon sicher weit im hintersten Drittel versumpfen. Doch von den „Überbleibseln“ als erstes Projekt? Da ann man damit denke ich leben. Vor allem optisch kann das mit allem des großen Mutterstudios mithalten, die Hintergründe und Landschaften sind wahre Gemälde und absolut zum Niederknien. Das ist definitiv die Spitze des Anime-Eisbergs und das lässt eigentlich alles im Animationsbereich des Westens hinter sich. Audiovisuell top notch, ohne Zweifel, da sich auch der gefühlvolle, sensible Score langsam, leise aber sicher ins Ohr trapst. Leider kann der Inhalt damit nicht ganz mithalten. Mary ist eine süße Figur und ihre Reise in eine magische, nicht ungefährliche und oft überraschende Welt ist sehenswert. Zumindest für Animesfans. Aber bei allzu hohen Erwartungen, könnte ich mir hier durchaus ein paar enttäuschte Gesichter vorstellen. Denn nicht nur, dass es sich oft ein gutes Stück wie ein generisches Ghibli-Best Of anfühlt, mit recycelten Teilen von „Howls Moving Castle“ über „Princess Mononoke“ bis hin zu offensichtlich „Kikis kleiner Lieferservice“, oft werden auch Erinnerungen an Harry Potter oder „Das Letzte Einhorn“ wach und insgesamt hapert es einfach am Timing, an der Spannung, am Tempo und vor allem an der Charakterentwicklung. Leider. Vieles tritt auf der Stelle, wirkt gewollt aber (noch) nicht ganz gekonnt, schläfert ein und interessiert einen nur oberflächlich, wenn überhaupt. Aber es ist ja noch Zeit zum Lernen und zum Verbessern...

Fazit: schließt nicht nahtlos, aber doch recht ordentlich an die leider ausgelaufene Studio Ghibli-Zeit an. „Mary und die Blume der Hexen“ sieht unfassbar gut aus, steckt voller Eleganz und Zauber. Leider hat man viele Versatzstücke gefühlt schon zu oft (besser) gesehen, die Geschichte ist leider kaum der Rede wert und Mary bleibt etwas blass, entwickelt sich kaum. Dennoch: das Studio Ponoc ist auf einem guten Weg und man sollte es unterstützen! 

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